Blinder Aktionismus

Die eine oder andere Aktion auf der Straße kann ich mir nur so erklären, also durch blinden Aktionismus. Hier zwei Beispiele von heute:

Blinder Aktionismus aus Altruismus: Auf der Autobahn, direkt vor einer Anschlussstelle. Der Verkehr fließt, vielleicht etwas zäh, auf jeden Fall ziemlich dicht, aber alles rollt, und zwar meist mit mehr als 50 oder 60. Und dann kommt jemand auf den Besschleunigungsstreifen gerollt, von der Rampe herunter – und ordnet sich auf dem Beschleunigungsstreifen neben dem LKW ein und tut – nichts. Fährt einfach neben dem LKW her. Und was macht der LKW? Ohne Rücksicht auf den fließenden Verkehr wird der Blinker gesetzt und einfach ausgeschert. Oftmals sogar, wenn der versuchte Auffahrer gerade schon massiv gebremst hat, um hinter dem LKW oder sogar hinter dessen Hintermann auffahren wollte. Klar, wenn man kann, ist es nett, die Leute rein zu lassen. Aber so – denn heute hat mich das an den Anschlussstellen Karlsbad auf der A8 und Ettlingen auf der A5 jeweils eine recht harsche Bremsung gekostet. Und der Auffahrer konnte in beiden Fällen nicht in die entstehende Lücke rein, der LKW scherte direkt nach dem mich Ausbremsen wieder ein.

Blinder Aktionismus aus Egoismus: Da zwischen Karlsruhe Süd und Rastatt Nord auf der A5 heute wohl irgendwas passiert ist, war auch auf meiner Route auf der B3 nach Hause ziemlich viel Verkehr. Solcher Ausweichverkehr staut sich in aller Regel an der recht langen Rotphase in Neumalsch, die davon ausgeht, dass auf der B3 und auf der Straße von Durmersheim nach Malsch jeweils vergleichbar viele Autos bewältigt werden müssen. Wenn Stau ist auf der A5 ist das schlicht nicht wahr. Heut fing der Stau direkt hinter Bruchhausen an – und ich überlegte mir: Bis Neumalsch ist es weit. Ich habe eigentlich keine Lust, immer drei-Autolängen-weise aufzufahren und dann wieder zu stehen. Das mag meine Kupplung nicht. Anfahren kosten Sprit. Also ließ ich Abstand und zuckelte hübsch langsam im ersten Gang im Standgas hinter den anderen Autos hinterher. Nun war mein Hintermann offenbar nervös – und während ich bei offenem Fenster laut die Toten Hosen mit Hier kommt Alex laufen hatte, sah er seine Chance, als kein Gegenverkehr kam – er zog mit Macht vorbei, in die lange Lücke vor mir, bremste vor dem Vordermann voll … und stand in Neumalsch genau und direkt vor mir an der Ampel, gefühlte zwanzig Mal Anfahren bei ihm (bei mir waren’s Null) später. Auch an der Muggensturmer Straße/K3737 stand er direkt vor mir an der Ampel, nur dass ich ihm – gemeinerweise – noch nett winkte, als ich an ihm vorbei auf den Rechtsabbiegerstreifen fuhr, um nach Bietigheim abzubiegen.

Es ist ja echt schön, dass sich Leute bemühen, anderen oder auch sich selbst einen Vorteil zu verschaffen – aber wenn es absolut nichts bringt und eventuell sogar noch den Rest der Autofahrer in Gefahr bringt oder zumindest Zeit kostet, dann ist’s doch echt unnötig … 

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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7 Antworten zu Blinder Aktionismus

  1. Wortman schreibt:

    Solche spargel hast du immer wieder, die (un)gefährlich Überholen oder drängeln und letztendlich an der nächsten Ampel etc. nur ein Auto weiter oder direkt vor dir stehen….

    • Talianna schreibt:

      Genau das. Aber ich habe ihm den Text von „Hier kommt Alex“ durch die Windschutzscheibe in einer Lautstärke hinterher gebrüllt, dass ihm die Ohren geklingelt haben müssen – nicht, weil ich mich geärgert hätte – habe ich, aber mitgesungen oder eher gegrölt habe ich vor allem, weil ich Lust drauf hatte 🙂

  2. autopict schreibt:

    Singe beim Autofahren ist super. Die falschen Töne stören nicht…
    (Eigenbewertung) 😀

    • Talianna schreibt:

      Die besten Orte, um laut und falsch zu singen, sind die Dusche, das Auto und die erste Reihe eines lauten Konzerts 🙂 Für die Dusche ist mein Mann zuständig, den Rest erledige ich 😀

      • StefanM. schreibt:

        Ein ehemaliger Mitbewohner hat seine Gesangskünste ebenfalls im Auto zum Besten gegeben. Allerdings sang er nicht, weil er Auto fuhr, sondern hat extra Runden gedreht, nur um singen zu können.

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