Dinge von Früher

Um mich nicht schon wieder lautstark über einen verlorenen Tag durch Kopfschmerzen zu beschweren – Huch! Nun mach ich es doch! – möchte ich heute über was anderes schreiben, was mich gerade beschäftigt:

Dinge von Früher, die wieder aufkommen. Ich habe da so ein paar Dinge, die zeitweise ruhten, aber immer mal wieder kommen. Vielleicht setze ich die Liste irgendwann fort, aber heute fange ich mal mit drei Dingen an, die da bei mir wichtig sind:

Die TV-Serie Space 2063 habe ich geliebt, als ich in den Vorbereitungen zum Abitur war. Das war 1998/1999, und ich hatte Dienstags immer erst zur zweiten Stunde, und diese zweite Stunde war „nur“ Mathe-LK, was mich zu dem Zeitpunkt nicht so gefordert hatte. Also konnte ich Montagnacht bis eins aufbleiben und Space 2063 schauen. Es gab da zwei Programmslots, auf denen damals eben – auf VOX oder Pro7, so genau weiß ich das nicht mehr – für mich erstaunlich interessante, etwas düstere Serien liefen, die sich für mich mit meinen zarten 18 erschreckend neu und erwachsen anfühlten: Clan der Vampire, Nick Knight und eben Space 2063. Und nun habe ich von meinen Freunden zu meinem letzten Geburtstag die Serie Space 2063 geschenkt bekommen und stelle fest: Die ist noch immer so gut wie damals. Und ich bin noch immer fasziniert und begeistert von den Gestalten der Serie – vor allem Captain Shane Autumn Vansen, die trotz aller Düsternis durchaus einen Vorbildcharakter für mich markiert.

Wesentlich tiefer in mir sitzt Tamora Pierce‘ Song of the Lioness. Wahrscheinlich kennen das nicht so viele Leute, deswegen deute ich mal an, um was es geht: Es sind vier schmale Bücher, die in einer Fantasy-Welt spielen: Es gibt Zauberei und Götter, auch ein paar Dämonen und übernatürliche Wesen, aber keine anderen Rassen neben den Menschen. Das Ganze ist grob mittelalterlich gestaltet, aber die Gesellschaft trägt schon viele aufgeklärte, moderne Züge, man könnte auch sagen: Aus moderner Sicht „Mittelalter light“, wie man es so oft in Fantasy-Szenarien wieder findet. Und in dieser Welt macht sich Alanna von Trebond, Tochter eines Adligen und Teil eines gemischt-geschlechtlichen Zwillingspaares auf, an ihres Bruders statt den Ritterschild zu erlangen. So aufgeklärt, dass das kein Problem ist, ist die Welt aber auch nicht, so verkleidet sich Alanna, die auch magisch begabt ist, als Junge und hält das über ihre Pagen- und Knappenausbildung bis zu ihrer Ritterprüfung durch, danach zieht sie los, Abenteuer zu erleben. Diese Bücher haben mir – auch wenn sie doch auch ein bisschen naiv geschrieben sind – viel Stütze gegeben in meiner Zeit als doch ein wenig ungewöhnliches Kind und ein wenig ungewöhnliche Jugendliche. Und zur Zeit liegt der dritte Band „Das zerbrochene Schwert“ bei mir bereit, und ich lese wann ich nur kann über Alanna, wie sie sich beim Wüstenstamm der Bazhir durchschlägt und endlich ein bisschen anzukommen bereit ist. Als ich noch jünger war, hat mir das dritte Buch nicht so gut gefallen, aber inzwischen verstehe ich vieles besser und freue mich über die Gedanken, die hier verarbeitet sind. Ich bin gespannt, wie ich dann auf den vierten Band reagiere.

Und zu guter letzt, im Moment nicht aktuell, das Buch, das ich mit Abstand am häufigsten gelesen habe: Reinhold Zieglers Es gibt hier nur zwei Richtungen, Mister. Das habe ich wahrscheinlich schon 25mal oder mehr gelesen. Es geht um einen Mann, der vor seinen Problemen flieht, in dem er mit Freunden in die USA fliegt – und dort seinen Traum wahrmacht: Er fährt mit einem Auto einmal rund um die USA, guckt sich vieles an, aber vor allem ist er lange allein mit sich, hat dann auch Begegnungen mit Leuten, die selbst im Konflikt zwischen Träumen und Realität stehen – und findet dabei in einem schmerzhaften, aber unheimlich schönen Prozess seine Balance, mit der er sein weiteres Leben bestreiten kann. Nichts Größeres, könnte man sagen, ein bisschen eine Coming-of-Age-Geschichte, auch wenn der Protagonist nicht mehr SO jung ist. Mir hat das Buch immer wieder geholfen, weil es sehr gut wiedergibt, wie ich mich immer wieder neu finde.

Ich glaube, zusammen mit Space und mit der lieben Alanna wird auch der „Mister“ bald mal wieder dran sein.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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5 Antworten zu Dinge von Früher

  1. Wortman schreibt:

    *hey, ho, lets go….* Der InVitro legt die CD ein vor dem Angriff 😀
    Ich hab jede Folge damals aufgenommen und mühselig hinterher die Werbung raus geschnitten mit den zwei Videorecordern 😉 Die Serie mag ich heute noch. Nur schade, dass nie eine 2. Staffel gedreht wurde. Sie fiel den Quoten zum Opfer.

    • Talianna schreibt:

      Absolut – Space ist auch heute noch der Hammer. Und wenn man sich die Optik im Vergleich zum Beispiel zu Babylon 5 anschaut, das ja von der Drehzeit nicht so viel älter ist, oder die Optik von Deep Space Nine, dann ist Space auch optisch heute noch sehr ansehnlich – wenn auch sicher nicht hübsch, aber das war ja auch nie die Idee der Serie.

      • Wortman schreibt:

        „Hübsch“ sollte SPACE garantiert nicht sein 😉
        Ich hätte gerne Gewusst, was eigentlich noch hätte passieren sollen…. Damals war das ja noch schlimmer mit den Quoten. Heute hört man ja teilwesie noch auf Fans… siehe Two and a half…. obwohl, Kutcher kannst vergessen.
        Zurück zum Thema: Was mir damals auch sehr gut gefiel (leider auch nur eine Staffel):, war EARTH 2.
        SPACE RANGERS fand ich witzig… besonders Gottfried John 😉
        Aus HYPERNAUTS hätte man weitaus mehr machen können…

        • Talianna schreibt:

          Im englischen Wikipedia-Artikel gibt es ein paar Zusammenfassungen, wie Space hätte weiter gehen sollen – das fand ich sehr befriedigend zu lasen.

          Earth 2 und Hypernauts habe ich nicht gesehen. aber Space Rangers fand ich auch super-super-witzig. Wie ich mich dann wieder gefreut habe, als ich Marjorie Monaghan als Nummer 1 in Babylon 5 wieder gesehen habe, als wir das wieder angeschaut haben!

      • Wortman schreibt:

        Ach ja: Und natürlich mein Liebling der schrägen SF:
        LEXX – THE DARK ZONE. Die vier Spielfilme und die Serie 🙂

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