Stupidity Outbreak

… zumindest habe ich mich heute so gefühlt, auf der Straße. Auf der Hinfahrt wie auch auf der Rückfahrt. Dieses Gefühl: „Was zur Hölle stimmt nicht mit Euch?“ und auch das Gefühl, sich auf der Autobahn nur mit Schaulustigen, Egoisten, Risiko-Junkies und sonstigen Idioten zu beschäftigen, es war heute recht stark.

Begebenheit 1: Autobahnanschlussstelle Karlsbad an der A8, ich fuhr gerade von Busenbach über Waldbronn eben in Karlsbad auf die Autobahn. Eigentlich hatte ich vor gehabt, den Stau auf der A5 zu umgehen. Nun ja, das funktionierte nicht, ich fuhr mitten in einen Stau hinein auf. Natürlich zog man keine Lücke auf, auch wenn es gegangen wäre, und ich musste mir am Ende des Beschleunigungsstreifen durch Dauerblinken und durchaus etwas penetrantes seitwärts Ziehen meine Lücke ernötigen. Nun ja, man soll sowieso erst am Ende des Streifens einfädeln, aber schön langsam, aber auf Tuchfühlung mit der Stoßstange des Vordermanns an einem am Ende des Beschleunigungsstreifens von der Stau-Geschwindigkeit auf Stillstand ausrollenden PKW, der blinkt, vorbei zu fahren, das muss dann doch nicht sein. Waren übrigens nicht nur LKW, sondern auch PKW, die das tätigten. Danach konnte ich von der rechten Spur aus eindrucksvoll beobachten, wie ähnlicher Egoismus und dazu das viel zu frühe Einscheren von der linken auf die mittlere Spur aus der Verengung von drei auf zwei Fahrstreifen ohne Not einen Stau machten.

Begebenheit 2: Nach der reinrassigen Senkenstockung in der Senke bei Nöttingen – das Pfinztal ist das, wenn ich es richtig weiß – stand ich dann schon wieder kurz nach Pforzheim West. Warum? Nun. Ich glaubte an einen Flaschenhals, also wieder mit dem Verkehr überforderte drei Spuren, die zu zwei noch mehr überforderten Spuren wurden. Aber auch nach der Nachstockung dieses Flaschenhalses lief es nicht wieder. Nein, es blieb bei 2-10km/h, immer ein bisschen schwankend. Erst in der Höhe der gesperrten Anschlussstelle Pforzheim Nord wurde es besser. Schlagartig von 5km/h auf 80km/h. Des Rätsels Lösung, warum das so war? Nichts leichter als das: Auf der anderen Richtungsfahrbahn blinkte es herrlich gelb und blau, zweimal Polizei, drei gelbe Abschleppwagen. Ich glaube, auch noch eine wohl mit Aufsaug-Mittel abgedeckte Öllache vor einem lädierten PKW gesehen zu haben. So genau habe ich nicht hingeschaut, ich war ja auf meinen Vordermann konzentriert – und ich wollte auch nur Unfälle sehen, bei denen eventuell meine Hilfe nötig und ein Anhalten für Leisten selbiger möglich gewesen wäre. Außerdem erledigten die anderen ja das Starren. Nach dem gestrigen Gafferstau heute schon wieder einer – Deprimierend!

Begebenheit 3: Nun schon auf der Heimfahrt. Neben dem hohen Verkehrsaufkommen und dem damit verbundenen langsamen Fortkommen habe ich diverse Spurwechsel-Scheren erlebt – und zwar von der besonders fiesen Art: Auf wahlweise der linken oder der rechten von zwei verstauten Spuren ging es schneller voran – woraufhin meistens gleich zwei oder drei Fahrer den Blinker setzten und beherzt, ja fast schon hastig rüberzogen, mit dem Fuß voll auf dem Gas. An drei Stellen ergaben sich daraus Fast-Unfälle, zweimal zum Beispiel zwischen Pforzheim West und Karlsbad! Das ist so unnötig, weil es einen eben doch kaum schneller voranbringt – ich glaube, an dem ein oder anderen Opportunisten bin ich, die linke Spur die ganze Zeit haltend, später wieder vorbeigerollt. Den Abstand vor mir, den ich hübsch gehalten habe, um nicht dauernd Halten und Beschleunigen zu müssen, wurde natürlich auch stets zugefahren, so bald es auf meiner Spur etwas schneller ging.

Begebenheit 4: Und das allerbeste! Kurz vor Karlsbad, mitten in der Baustelle, ging es voran, mit ungefähr 85km/h, wohl eher 90km/h – dort sind 80 gestattet. Ich hielt ordentlich Abstand zum Vordermann, um nicht noch schneller zu fahren – zumal der Vordermann schon wieder am Bremsen war. Und was war? Der Hintermann fuhr mit beinahe in den Kofferraum, gab Lichthupe … um dann, mit aufheulendem Motor, als ich recht rüber wechselte zwischen die LKWs, eben genau nicht vorbeizukommen, sondern eine ganze Weile zu brauchen. Und als der gute Mann dann Geschwindigkeit aufgenommen hatte, endete es recht rasch – mit starkem Bremsen vor dem Vordermann, der eben nun doch aufgrund zu geringer Abstände weiter vorne auf 65km/h runterbremsen musste.

Zur Zeit macht das Pendeln gar keinen Spaß, nichtmal, wenn ich drüber bloggen kann. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass die Leute einfach nicht verstehen, dass sie auch nicht schneller vor dem Fernseher sind, um WM zu gucken, bloß weil sie den großen Egotrip auf der Autobahn durchziehen. In aller Regel ist der Unterschied zwischen Lückenspringen, Spurwechseln, jede Lücke zufahren auf der einen und ruhig die Spur halten und mit Abstand hinterherzuckeln nach dem Stau bei fünf, vielleicht zehn Positionen – und zehn Autolängen, selbst mit adäquatem Abstand, fährt man mit Autobahn-Reisegeschwindigkeit in wenigen Sekunden zu.

Aber vermutlich ist das niemandem klar, dass man Zeit kaum durch riskantes Fahren im Stau gewinnt, sondern wenn überhaupt durch halbwegs konstantes, flottes Fahren in den Bereichen, wo man freie Fahrt hat. Was auf der A8 im Moment zugegebenerweise mindestens im westlichen Abschnitt nicht oft vorkommt.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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4 Antworten zu Stupidity Outbreak

  1. Ruhrköpfe schreibt:

    leider erlebe ich das oft genauso

  2. daslandei schreibt:

    Ohje – und es gibt keine Chance mit den Öffentlichen?

    • Talianna schreibt:

      Naja, in Karlsruhe Umsteigen und in Stuttgart am Bahnhof nochmal, der erste Abschnitt mit der Bummel-Stadtbahn … von Tür zu Tür war ich die Woche jedes Mal schneller mit dem Auto, auch wenn’s teils knapp war. Wenn’s halbwegs normal läuft, hat das Auto einen Zeitvorteil von 50% auf meiner Strecke …

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