Stunde früher, Stunde später

Jeden Morgen, wenn ich feststelle, dass es doch wieder eher halb acht als kurz vor sieben geworden ist mit dem Losfahren, frage ich mich die selbe Frage:

Wär’s besser gelaufen, wenn ich früher gefahren wäre?

Heute morgen habe ich zumindest eine Stichprobe einer Antwort bekommen. Und diese eine Stichprobe sagte eindeutig: Nein! Derselbe Stau am Karlsruher Dreieck, der sich über Karlsruhe Süd schon auf die B3 fortzupflanzen anfing, derselbe Flaschenhals an der Baustelle nach Karlsbad und auch dieselben Stockungen in der Baustelle bei Pforzheim. Tatsächlich hatte ich sogar den Eindruck, dass die Fahrweise teils noch aggressiver war als zu späteren Zeiten. Es mag sein, dass es der Montagmorgen, das frühe Aufstehen nach WM-Gucken oder sowas ist. Vielleicht sind auch die Spätaufsteher und Spätfahrer etwas relaxter, weil sie – wie ich – denken, durch’s späte Losfahren seien sie selbst schuld, in den Stau zu kommen.

Der heutige Morgen hat mir dann nun auch gezeigt, dass ich vielleicht mal über ein paar neue Stauanatomien bzw. Stautypen nachdenken sollte: Den Lückenspringer und den Sprinter. Ersterer ist hinreichend bekannt, letzterer ist in meinen Augen ein riesiges Ärgernis, weil er das Auflösen von Staus verhindert: Wann immer sich im Stau eine Lücke ergibt, die Leute losfahren, und sei es langsam – drückt der Sprinter voll auf’s Gas, schließt auf und steht dann fast quietschend auf der Bremse, selbst wenn der Vordermann noch langsam rollt. Hinter dem Sprinter steht wieder alles. Und es braucht acht oder zehn Ausgleicher, um den Stop’n’Go-Effekt eines Sprinters aufzuweichen. Außerdem muss ich drüber nachdenken, ob ich nicht vielleicht mal über ein Prinzip, das dem Abendländer aus der Bibel bekannt sein dürfte, auch im Verkehr schreibe: Die Goldene Regel – „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg‘ auch keinem anderen zu.“ Das kam mir heute morgen, als ich zwischen den stehenden LKW zwischen Karlsruhe Süd und Ettlingen stand und links raus wollte. Dort ergab sich eine Lücke – und ich setzte den Blinker und wollte auf die mittlere Spur raus. Derjenige, der zuvor langsam hinter selbiger Lücke fuhr, beschleunigte zum Sprint und starrte mich durch seine Sonnenbrille feindselig an, als er die Lücke geschlossen hatte. Nur um dann vor mir dreimal Spur zu wechseln, als es schien, dass es mal auf der mittleren, mal auf der rechten Spur schneller ging. Im Licht der Goldenen Regel … aber lassen wir das.

Eine staufreie, sonnige Woche wünsche ich all meinen Lesern!

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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