Radsport und LKW

Der belgische Kreisel ist eine Methode aus dem Radsport. Eine Gruppe von Radfahrern bildet dabei zwei Reihen, von denen eine ungefähr zwei Stundenkilometer schneller fährt als die andere – und man so recht schnell die Fahrer im Wind ablöst, so dass niemand zu lange führen muss und ein hohes Tempo gehalten werden kann.

Was hat das nun mit der Straße zu tun?

Zweierlei: Eine Sache wollte ich seit Ewigkeiten mal posten, und ich denke, ich mache da dann noch eine Stauanatomie draus, auch wenn es nicht im eigentlichen Sinne eine Stau-, wohl aber eine straßenverkehrsanatomische Sache ist. Dabei geht es um LKW auf der Autobahn. Die andere Sache ist der Anlass, dass ich endlich mal diesen Begriff hier einbringe.

So geschehen auf der Bundesstraße 3 an Frohnleichnam: Ich fuhr, gegen 13:00 ganz unschuldig in Richtung meiner alten Heimat bei Heilbronn, ins schöne Bad Wimpfen. Doch am Anfang entspricht das Ganze ja meinem Arbeitsweg, also bewegte ich mich auf für mich ausgetretenen Wegen. Dass der ein oder andere Radfahrer den Radweg auf der Westseite der B3 nicht nutzt, ist nicht ungewohnt, damit habe ich mich abgefunden. Erst recht, weil mein Vater, selbst ein recht exzessiver Radfahrer, mir mal erläutert hat, dass ihm auf Radwegen schon des öfteren Reifen verlorengingen, weil aus Autos weggeworfene und auf dem Radweg zerbrochene Bierflaschenreste drin steckten. Nicht, dass Autofahrer Bierflaschen auf Radfahrer werfen würden – ich hoffe, das tut niemand! – sondern eben dass Autofahrer ihren Müll aus dem Fenster entsorgen. Dass das nicht unrealistisch ist, sehe ich bei jedem Stau auf dem Mittelstreifen der A8.

Aber ich komme vom Thema ab. Ich überholte also einen langsamen Moped-Fahrer und einen recht flotten Rennradfahrer auf der B3 und dann wollte ich mir am liebsten die Augen reiben: Zwischen Neumalsch und Bruchhausen, mitten im Wald, fand ich einen voll ausgebildeten belgischen Kreisel, bestehend aus sechs oder mehr Rennradfahrern, die auf der Bundesstraßen tatsächlich zweireihig fuhren, zwar recht flott, aber eben deutlich unter den erlaubten 100km/h an der Stelle – und nicht nur das! Als ich von hinten heranfuhr, praktizierte einer der Fahrer das, was ich gelegentlich in der Vergangenheit sehen durfte, als ich noch nicht vom Doping abgeschreckt das Radfahren-Gucken aufgegeben hatte: Er löste sich seitwärts zur Straßenmitte, um nach hinten zu schauen, an den beiden Reihen des belgischen Kreisels vorbei. Etwas mehr als eine volle Fahrbahn war damit durch Radfahrer blockiert und das trotz Radweg neben der Strecke und mir als von hinten anfahrendem Autofahrer!

Es ist nicht so, dass ich Radfahrern das Fahren auf der Straße völlig absprechen möchte, aber wenn ein meiner Erfahrung nach (ich war da auch schon!) scherbenfreier Radweg existiert und dann auch noch die Radler sich als Velo-Rambos betätigen und die halbe Straße à la Ausreißergruppe bei der Tour de France versperren, dann ist mein Verständnis sehr schnell aufgebraucht. Das fand ich ein absolutes No-Go!

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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9 Antworten zu Radsport und LKW

  1. Ruhrköpfe schreibt:

    die sind so sehr in ihrem Flow, die bekommen oft gar nichts mehr um sich herum mit

    • Talianna schreibt:

      Ich weiß, ich kenn das ja vom Laufen – aber gerade deswegen sollte man das nicht machen. Weil’s gefährlich ist. Gerade auf der B3 fahren die Leute meiner Erfahrung nach – wie man bei uns sagen würde – wie die gesengten Säue. Die 100km/h, die ich einhalte, betrachten etliche Leute dort eher als „lächerlichen Vorschlag“ und überholen dazu riskant …

      Ich habe schon einen Unfall Rad gegen Auto hinter mir – ich saß auf dem Rad. Das ist lange her, aber mindestens bei der japanischen Teezeremonie erinnert mich mein Knie jedes Mal daran, dass der Geländewagen stärker war und somit nunmehr etwas Beugung fehlt.

  2. Neuro schreibt:

    Du bist vermutlich in ein Radrennen geraten und die Radfahrer haben sich gewundert, was das Auto auf ihrer Strecke macht.

  3. aringus schreibt:

    Die Regelung wann man einen Radweg benutzen muss und wann nicht. In der Regel heißt es: sobald ein Radweg vorhanden ist und auch so ausgeschildert, dann muss man ihn auch benutzen. Bei geschlossenen Verbänden von mindestens 16 Radfahrer, dürfen diese aber auch auf der Strasse fahren. Und zwar auch je zwei nebeneinander. Natürlich ohne das überholen und co.

    • Talianna schreibt:

      Auf einer Bundesstraße ohne zusätzliches Geschwindigkeitslimit (sprich: 100km/h) frage ich mich, ob man der Sicherheit der Radfahrer da nicht einen Bärendienst erweist. Danke für’s Raussuchen.

  4. StefanM. schreibt:

    Das sehe ich auch öfter von meinem Balkon aus (Ich wohne an einer mit 70 beschilderten Straße). Meist sind es wahrscheinlich Vereine, die dann auf ihren Übungsstrecken unterwegs sind. Ein Bekannter meinte, dass es für solche Vereine irgendwelche Regelungen diesbezüglich (explizite Straßennutzung, Nebeneinander fahren) gibt. Ich gebe das einfach ungeprüft weiter. 🙂

    • Talianna schreibt:

      Ich glaub, ich muss das nochmal im Detail nachgucken – so richtig gut durchdacht im Interesse der Sicherheit finde ich das nicht, aber andererseits ist ja auch der Sport eine Sache, die gefördert werden muss – da Sport Prävention ist.

      Im Idealfall wäre da Sicherheit und daraus resultierendes Risiko gegen Prävention durch Sport und dahingehende Reduktion der Kosten für das Gesundheitssystem gegeneinander abgewogen. Ob das im Detail so gemacht wurde, wage ich aber zu bezweifeln. Wahrscheinlich geht’s eher um Heranzüchten von Nachwuchssportlern, die Deutschland im Leistungssport repräsentieren. 😉

      • StefanM. schreibt:

        Ich habe hier nur Hörensagen wiedergegeben. 😉 Aber Rennradfahrer auf der Straße betrachte ich nicht als das größte Problem. Es finden sich auch Mountainbiker und „normale“ Radler auf der Straße, die mit erheblich geringeren Geschwindigkeiten unterwegs sind. Gerade bei mir hier in der Ecke ist das eher die Regel. Natürlich erlebe ich dann sehr häufig, dass Autofahrer an den Radfahrern vorbeifahren, ohne dabei die Mittellinie zu überfahren. Das ist mir nichts. Wenn ich auf auf dem Heimweg einen „Normalo“ überhole, dann nehme ich die Dreistigkeit heraus und erinnere ihn dann daran, dass er mit seiner Geschwindigkeit auf dem Radweg besser dran wäre.

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