Randnotiz – Leitartikel

Genau dieses Gefühl hatte ich, als ich gestern mit dem Freund einer Freundin sprach. Unterwegs in genau der anderen Richtung, also morgens von Stuttgart nach Karlsruhe und Abends in umgekehrter Richtung, erzählte er mir von einem Unfall auf der Gegenfahrbahn, an den ich mich erst nach einiger Beschreibung wieder erinnern konnte.

Für mich war’s der Blick über die Baustellenmittelleitplanke auf ein Blaulicht – und der flüchtige Eindruck zweier Frauen, die sich nett zu unterhalten schienen. Ich dachte in dem Moment: „Nett, dass nicht jeder Unfall in maßlosem Streit ausgeht.“ Natürlich ging abbremsen, um zu gucken gar nicht. Gaffer finde ich nämlich echt das letzte – und selbst wenn etwas auf der Gegenfahrbahn ungewöhnlich ist, und nicht das Potential hat, mir Albträume von furchtbaren Unfällen zu machen: Langsamer Werden, um zu gucken, verbietet sich von selbst. Viel kriegte ich also nicht mit.

Für ihn war es ein Auslöser eines sehr lästigen Staus in der Baustelle, da es an besagter Stelle ja keinen Standstreifen gibt – und so blockierten zwei wohl leicht oder gar nicht beschädigte Fahrzeuge, ein Polizeifahrzeug und zwei angeregt sich unterhaltende Frauen in sommerlicher Kleidung einen der wertvollen Fahrstreifen von Stuttgart nach Karlsruhe. Für den Stausteher auf dieser Seite fühlte sich da die Fröhlichkeit der Unfallgegnerinnen wie Hohn an.

Als wären die beiden Richtungsfahrbahnen, kaum mehr als einen Meter voneinander entfernt, zwei unterschiedliche Universen.

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