Sekundentraum

Es ist so eine Sache – Sekundenschlaf. Davor hat denke ich jeder, der länger Auto fährt, immer wieder Angst – bei sich und bei anderen. Denn daraus kann enorme Gefahr resultieren. Ich für meinen Teil habe mir – nach dem ich ein recht unschönes Erlebnis bei der Fahrt von meinem Studienort zu meinen Eltern hatte – angewöhnt, bei den ersten Anzeichen rechts ran oder auf einen Parkplatz zu fahren und eine Viertelstunde oder etwas mehr zu schlafen. Denn der Gewinn an Fahrqualität und Fahrsicherheit rechtfertigt das allemal.

So auch vor einigen Jahren, als ich mit Freunden in Hildesheim auf dem M’era Luna war. Wir fuhren, weil die beiden Freunde am Montag arbeiten mussten, bereits am Sonntagabend Richtung Heimat. Es ging also nach zwei recht unruhigen Campingplatz-Nächten Sonntags gegen 22:00 los Richtung Dortmund, von dort aus weiter Richtung Bonn und von dort für mich nach Hause. Mit zwei Verrückten im Auto bis Dortmund ging es noch sehr gut, aber auf dem Weg Richtung Bonn, um den zweiten der Verrückten daheim abzuliefern, wurde es dann schon etwas zäher. Und kaum war ich in Bonn wieder auf der Autobahn, merkte ich, wie mir mit abartiger Macht die Lichter ausgingen. Also lenkte ich mein Auto – damals noch die heiß geliebte „Alte Dame“, einen grauen Mercedes 200D, Baujahr 1990, den ich von meiner Oma bekommen hatte, als sie sich ein neues Auto kaufte, auf einen Parkplatz noch vor dem Kreuz Meckenheim. Kaum stand ich auf einem Parkplatz und lehnte mich in meinem Sitz zurück, fielen mir die Augen zu und ich schlief ein – und träumte. Und zwar träumte ich folgendes:

Ich fuhr auf der nächtlichen Autobahn, allein, in meiner „Alten Dame“, dem besagten grauen Mercedes 200D. Auf der Autobahn war nichts los, es war tief in der Nacht – und ich begann, einzunicken. Zweimal riss ich gerade noch die Augen auf, doch dann war es zu spät. Ich schlief kurz ein, wachte mit einem panischen Gefühl auf und tatsächlich: Vor mir stand ein LKW schräg über die Fahrbahn!

Da wachte ich aus meinem Traum auf.

Und vor mir stand ein LKW schräg, direkt vor meiner Haube. Es brauchte einen Schockmoment, bis ich realisierte, dass alles okay war: Ich stand auf dem Parkplatz und während ich geschlafen hatte, war vor mir ein LKW auf einen anderen Parkplatz gefahren, stand schräg vor mir und alles war gut.

Dennoch hat das Adrenalin aus diesem Schock gereicht, mich bis fast nach Karlsruhe wach zu halten.

Im Endeffekt: Sekundenschlaf ist gefährlich und lieber träumt man auf einem Parkplatz vom Sekundenschlaf, als dass man wirklich auf der Autobahn einschläft und nicht mehr aufwacht – oder im Krankenhaus.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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2 Antworten zu Sekundentraum

  1. CastorV19 schreibt:

    Ich gehe bei soetwas noch weiter und schlafe mich im nächsten Hotel aus, die 50 €, selbst 100 € sind wirtschaftlicher investiert als ein Versicherungsfall

    • Talianna schreibt:

      Heute würde ich das – wenn es nicht gerade der Weg von der Arbeit heim ist – auch so machen. Damals war ich Studentin und kontinuierlich knapp bei Kasse – da überlegt man sich das zwei, drei Mal.

      Denn Recht hast Du, auf jeden Fall.

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