Seitenwind und Musik

Am heutigen Tag habe ich mal wieder recht stark den Seitenwind gespürt. Auf der A8 gibt es da, eben am Rand des Nordschwarzwaldes, zwei Stellen, wo der Wind ganz schön heftig bläst. Einmal ist das die Strecke zwischen Leonberg und Heimsheim, und dann noch die Stelle zwischen Karlsbad und dem Karlsruher Dreieck. Nach meinem Gefühl bekomme ich diesen starken Wind jetzt im Sommer vor allem auf der Heimfahrt, also von Stuttgart nach Karlsruhe am Nachmittag, recht stark zu spüren – und zwar dann von rechts, meinem Gefühl nach.

Es gab schon das ein oder andere Mal, dass ich mich fragte: „Was zum Henker pfeift da so und warum ist mein Auto so instabil … ?“ Seit mir das mal auf der A6 von Nürnberg nach Heilbronn passiert ist, habe ich nämlich recht panische Angst vor einem Reifenplatzer und suche dann bei Unstimmigkeiten erstmal nach dem Grund bei meinen Reifen, meinen Rädern, danach bei meinem Motor und Getriebe – und dann kommt mir so ganz allmählich: „Hey, das könnte doch auch – na klar, der Wind!“ Und dann fällt mir dann plötzlich auch auf, meistens, dass gerade die hohen, langen Fahrzeuge – LKW und Transporter, aber eben auch Autos wie mein leichter, kleiner Aygo – Tendenzen zeigen, nach links auszubrechen. Und prompt ist dann eben für mich angesagt, das Tempo ein bisschen zu reduzieren. Könnte ja immerhin sein, dass ich gerade ein bisschen gegen ein nach links Ausbrechen korrigiere und somit nach rechts lenke, während ein LKW oder Transporter nach links geweht wird. Scheinbar ist aber mein Auto sehr leicht, sehr instabil – oder ich bin einfach feige. Denn ganz oft sehe ich, dass ich die einzige bin, die das Tempo reduziert. Und so bin ich heute auf der Heimfahrt ein Stückchen langsamer gefahren als auf der Hinfahrt zur Arbeit, einfach wegen des Seitenwindes. Wobei ich diesen zweifelhaften Genuss heute nur zwischen Leonberg und Heimsheim erlebt habe – denn ich bin in Karlsbad von der Autobahn, da am Karlsruher Dreieck mal wieder Stau war.

Außerdem hat sich heute statt meiner VNV Nation Liste andere Musik auf der Fahrt breit gemacht, woraufhin ich nun beschlossen habe, das ich eine neue Playlist erstellen muss. Und zwar eine „außergewöhnliche Frauenstimmen“-Liste. Denn im Moment haben es mir Heather Small von den M People, Hannah Reid von London Grammar und Annie Lennox mal wieder ganz stark angetan. Bei den M People könnte – und werde – ich wohl „Search For The Hero“, „One Night In Heaven“ und „Avalon“ hoch und runter hören, bei London Grammar sieht es – wie könnte es anders sein – nach „Strong“ aus, aber auch „Hey Now“ wird’s in die Liste schaffen. Und Annie Lennox, da sieht es nach „Here Comes The Rain Again“ und „Sweet Dreams“ aus, da klirrt ihre Stimme so richtig schön kalt und bildet einen schönen Kontrast zu dem warmen, „schwarzen“ Organ von Heather Small – und der dramatischen Stimme von Hannah Reid. Und Musik, in abwechslungsreichen Formen und in adäquaten Mischungen, um meine Gedanken zu illustrieren, ist ein extrem wichtiger Begleiter für mich beim Pendeln.

Vor allem auch, weil Musik auch sehr wichtig dafür ist, dass mein Kopf während der Fahrt an meinen kleinen Phantasiegeschichten arbeiten kann – die können nämlich im Gegensatz zu sowas wie Hörspielen, Arbeitsgedankenkram oder dergleichen auch mal in den Hintergrund treten, wenn ich für das Autofahren etwas mehr Konzentration brauche. Gerade im Stau sind Musik und Phantasie mein mentales Überlebensset. Ich freu mich schon auf die Inspiration, die mir Heather Small. Hannah Reid und Annie Lennox in Kombination vermitteln werden!

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Sonntagnachmittagsarbeit

Gewuerzregal
Hintere Reihe (v.l. n.r.): Koriander, Zimt, Chilipulver, Sternanis, weißer Sesam, schwarzer Sesam, Chili-Pfeffer-Öl, Paprika edelsüß, Ingwerpulver, Cumin, Piment, Thai-Curry, Chilimühle.
Vordere Reihe (v.l. n.r.): Chinesische helle Sojasauce, japanische Sojasauce, chinesische dunkle Sojasauce, rotes Tabasco, grünes Tabasco, Salzmühle, bunter Pfeffer aus der Mühle, Senfkörner, Provencekräuter, getrockneter Ingwer zum frisch Mahlen und Nelken aus der Mühle.
Nicht im Bild (hängend rechts unten außerhalb des Bildes): Salz (fein), Pfeffer gemahlen, Oregano, Majoran, Rosmarin, Rosenpaprika, Curry, Muskat.
Nicht im Bild (rechts im Schrank): Basilikum, Schnittlauch, Thymian, Petersilie, Dillspitzen, Habanero-Chilis, Wasabi-Pulver, Mu-Err-Pilze und Minzblätter.

Das haben mein Mann und ich am Sonntagnachmittag gebastelt – da war es auch okay, dass ich nicht mehr zum Laufen gekommen bin. Früher standen unsere Gewürze verteilt über mehrere Orte. Okay, begrenzt tun sie das immer noch. Aber zumindest der Platz auf der anderen Seite der Küche, an dem meine asiatischen Gewürze früher standen, ist nunmehr aufgelöst und die geliebten Damen und Herren reihen sich in das Mannschaftsbild ein.

Wir haben für die hintere Reihe eine Empore gebaut, und zwar aus den nicht mehr gebrauchten Schachteln unserer DSA4-Boxen – die Bücher stehen eh im Schrank und mittlerweile ist auch eine gebundene Version vorhanden, über die Boxen bin ich seit geraumer Weile immer nur gestolpert. Damit man nicht mehr sieht, aus was die Emporen gemacht sind, hat mein Mann das Ganze schwarz lackiert. Sieht super aus! Außerdem haben wir diverse Vorratsbehälter vereinheitlicht, denn teils hatten wir zwei Streuer UND zwei Vorratsbehälter für ein und dasselbe Gewürz, teils auch noch ungeöffnete oder nur mit einem Klemmer zugehaltene gekaufte Gewürzbeutel – nun ist alles herrlich sortiert. Platz geschaffen, wunderbar ausgemistet und alles vereinheitlicht – und alles schneller zur Hand. Ich habe sogar noch auf den Schranktüren innen Beschriftungen angebracht – und mein Mann bastelt noch eine Einkaufsliste für die Vorräte, die wir dann auf eine Innentür hängen, so dass man abstreichen kann, was nicht mehr da ist und was wir kaufen sollten … göttlich!

Es fühlt sich ein bisschen an, als hätten wir eine neue Küche!

Vermischte Wochenend-Gedanken

Nach dem Fasten-Donnerstag und dem Freitag mit Koloskopie folgte nun ein Wochenende zur Erholung. Sonst habe ich eigentlich gerne meine Untersuchungen so getimet, dass zumindest ein Erholungstag da war, der nicht vom Wochenende abging, aber dieses Mal ging das nicht.

Aber der Samstag war doch so weit nicht schlecht. Nach einem begeisterten Fastenbrechen mit mongolischem Grill und chinesischem Buffett bestand der Samstag aus morgendlichem Säubern der Fugen zwischen den Pflastersteinen unseres Hofes und des davor liegenden Bürgersteiges. Teils hat sich dort eine Menge Gras und Moos angesammelt und das musste mal wieder weg. An drei Stellen gingen wir das an – mein Schwipp-Schwager oder wie man den Bruder des Mannes der Schwester meines Mannes auch immer nennen mag, begann auf dem Hof vor den Garagen, und mein Mann und ich auf zwei verschiedenen Enden des Bürgersteigs. Nach etwa einer Stunde kam jedoch Regen und wir brachen die Aktion ab. Am Nachmittag kam dann zwar die Sonne wieder, aber da war dann schon anderes im Gange: Einkaufen, zum Beispiel.

Aber ich habe am Samstag auch neues Laufequipment getestet, unter anderem einen Bluetooth-Pulsmessungs-Brustgurt, mit dem ich meine Herzfrequenz beim Laufen auch als Verlauf aufzeichnen kann. Mit Begeisterung habe ich bemerkt, dass bei den Ansagen jeden Kilometer die Laufapp (ich nutze Runtastic) nunmehr nicht nur Dauer und Strecke, sondern auch Puls durchsagte. So lief ich fünfeinhalb schnelle Kilometer und freute mich, dass es wieder geht, nach dem Fasten, und dass das neue Material gut funktioniert und auch weniger Strom braucht als erwartet. Für meinen Hilfsstrom für unterwegs, meinen zusätzlichen mobilen USB-Akku, muss ich noch eine Transportlösung finden, aber prinzipiell steht somit auch längeren Läufen mit Pulsmessung, angeschaltetem Display des Smartphone und dennoch genug Strom nichts mehr im Wege.

Als Belohnung für den schnellen Lauf gab es dann hochwertiges Eiweiß, wie mein Laufbuch mir sagte: Rinderfilet, gebraten in Speckmantel, mit einer Zwiebelmehlschwitze als Sauce, verfeinert mit grünem Pfeffer, und dazu Gemüse. Artischockenherzen und Knödel. Das war dann doch eine sehr angenehme Variante eines Erholtages mit Kochen, Laufen und tatsächlich auch ein bisschen Nützlichem.

Back on Track

Nach dem ich gestern nicht so gut drauf war, was man wohl meinen Postings hier anlas, geht es mir heute wieder besser. Das liegt nicht in erster Linie dran, dass ich heute nicht Auto gefahren bin, sondern vor allem daran, dass meine Koloskopie wegen meiner Colitis Ulcerosa nun rum ist. Für’s erste ist eine Umstellung auf ein anderes Medikament an mir vorbei gegangen – und die Kopfschmerzen, die ich im Laufe des Fasten- und Abführtags akkumuliert habe, sind auch wieder etwas besser.

Lustigerweise waren die Kopfschmerzen so fies, dass ich fast in der Bahn hätte brechen müssen – die war voll, heiß und mit schlechter Luft behaftet. Die Türöffnungen an den Haltestellen waren ein Segen! Ich hatte ja die Hoffnung, nach der Koloskopie ginge es mir besser, aber als bei Nachlassen der Narkose und des Schmerzmittels, als ich schon am Tisch des Arztes saß und mit ihm redete, die Schmerzen wieder kamen, musste er nach einer Nierenschale eilen gehen, die ich dann gefüllt habe. Aber wenigstens bricht sich Wasser – nach einem Tag gar nichts zu Essen und nur Wasser und Tee trinken – eher harmlos.

Somit bin ich nun wieder halbwegs fit und freue mich auf’s Essen Gehen heute Abend – und mich mal chauffieren lassen. Denn nach der Narkose darf ich natürlich noch nicht wieder Auto Fahren – auch mal nicht schlecht!

Die Bond-Phantasie

Da gibt es so eine Sache, die mir immer mal wieder durch den Kopf geistert, wenn ich von meinen Mit-Verkehrsteilnehmern genervt bin ohne Ende. Oft gerade bei solchen Mit-Fahrern wie Lückenspringern, Leuten, die wild schneiden, nicht blinken, unmotiviert bremsen …

Und zwar: Ich stelle mir dann vor, oben auf dem Schalthebel einen roten Knopf zu haben. Einen roten Knopf, vor dem ich meine Beifahrer immer nach Kräften warne, ihn auf keinen, auf gar keinen Fall zu berühren. Diesen Knopf umgibt die Aura des Geheimnisvollen, Gefährlichen. Denn der Knopf löst ein Geheimnis an meinem Auto aus: Drückt man den Knopf, fährt das Nummernschild herunter und dahinter sieht man fünf oder sechs Öffnungen – aus denen stehen kleine Spitzen hervor, kleine, weiße Spitzen, welche zu Raketen gehören. Diese Raketen können dann mit dem in seiner Funktion veränderten Schalthebel auf ein Ziel ausgerichtet und mit nochmaligem Drücken des Knopfes abgefeuert werden – und die Sprengköpfe der Raketen sind so konstruiert, dass sie bei Feuern unter das getroffene Fahrzeug dieses hochschleudern – und man dann, bevor es wieder aufschlägt, mit aufheulendem Motor drunter durch rauschen kann.

Eigentlich liegt mir Gewalt fern, aber manchmal ist es wirklich hilfreich, so eine sich selbst karikierende Phantasie zu haben, um lächelnd die Musik lauter zu drehen und die entsprechenden Mit-Verkehrsteilnehmer – von Sicherheitsaspekten abgesehen – zu ignorieren.

Stupidity Outbreak

… zumindest habe ich mich heute so gefühlt, auf der Straße. Auf der Hinfahrt wie auch auf der Rückfahrt. Dieses Gefühl: „Was zur Hölle stimmt nicht mit Euch?“ und auch das Gefühl, sich auf der Autobahn nur mit Schaulustigen, Egoisten, Risiko-Junkies und sonstigen Idioten zu beschäftigen, es war heute recht stark.

Begebenheit 1: Autobahnanschlussstelle Karlsbad an der A8, ich fuhr gerade von Busenbach über Waldbronn eben in Karlsbad auf die Autobahn. Eigentlich hatte ich vor gehabt, den Stau auf der A5 zu umgehen. Nun ja, das funktionierte nicht, ich fuhr mitten in einen Stau hinein auf. Natürlich zog man keine Lücke auf, auch wenn es gegangen wäre, und ich musste mir am Ende des Beschleunigungsstreifen durch Dauerblinken und durchaus etwas penetrantes seitwärts Ziehen meine Lücke ernötigen. Nun ja, man soll sowieso erst am Ende des Streifens einfädeln, aber schön langsam, aber auf Tuchfühlung mit der Stoßstange des Vordermanns an einem am Ende des Beschleunigungsstreifens von der Stau-Geschwindigkeit auf Stillstand ausrollenden PKW, der blinkt, vorbei zu fahren, das muss dann doch nicht sein. Waren übrigens nicht nur LKW, sondern auch PKW, die das tätigten. Danach konnte ich von der rechten Spur aus eindrucksvoll beobachten, wie ähnlicher Egoismus und dazu das viel zu frühe Einscheren von der linken auf die mittlere Spur aus der Verengung von drei auf zwei Fahrstreifen ohne Not einen Stau machten.

Begebenheit 2: Nach der reinrassigen Senkenstockung in der Senke bei Nöttingen – das Pfinztal ist das, wenn ich es richtig weiß – stand ich dann schon wieder kurz nach Pforzheim West. Warum? Nun. Ich glaubte an einen Flaschenhals, also wieder mit dem Verkehr überforderte drei Spuren, die zu zwei noch mehr überforderten Spuren wurden. Aber auch nach der Nachstockung dieses Flaschenhalses lief es nicht wieder. Nein, es blieb bei 2-10km/h, immer ein bisschen schwankend. Erst in der Höhe der gesperrten Anschlussstelle Pforzheim Nord wurde es besser. Schlagartig von 5km/h auf 80km/h. Des Rätsels Lösung, warum das so war? Nichts leichter als das: Auf der anderen Richtungsfahrbahn blinkte es herrlich gelb und blau, zweimal Polizei, drei gelbe Abschleppwagen. Ich glaube, auch noch eine wohl mit Aufsaug-Mittel abgedeckte Öllache vor einem lädierten PKW gesehen zu haben. So genau habe ich nicht hingeschaut, ich war ja auf meinen Vordermann konzentriert – und ich wollte auch nur Unfälle sehen, bei denen eventuell meine Hilfe nötig und ein Anhalten für Leisten selbiger möglich gewesen wäre. Außerdem erledigten die anderen ja das Starren. Nach dem gestrigen Gafferstau heute schon wieder einer – Deprimierend!

Begebenheit 3: Nun schon auf der Heimfahrt. Neben dem hohen Verkehrsaufkommen und dem damit verbundenen langsamen Fortkommen habe ich diverse Spurwechsel-Scheren erlebt – und zwar von der besonders fiesen Art: Auf wahlweise der linken oder der rechten von zwei verstauten Spuren ging es schneller voran – woraufhin meistens gleich zwei oder drei Fahrer den Blinker setzten und beherzt, ja fast schon hastig rüberzogen, mit dem Fuß voll auf dem Gas. An drei Stellen ergaben sich daraus Fast-Unfälle, zweimal zum Beispiel zwischen Pforzheim West und Karlsbad! Das ist so unnötig, weil es einen eben doch kaum schneller voranbringt – ich glaube, an dem ein oder anderen Opportunisten bin ich, die linke Spur die ganze Zeit haltend, später wieder vorbeigerollt. Den Abstand vor mir, den ich hübsch gehalten habe, um nicht dauernd Halten und Beschleunigen zu müssen, wurde natürlich auch stets zugefahren, so bald es auf meiner Spur etwas schneller ging.

Begebenheit 4: Und das allerbeste! Kurz vor Karlsbad, mitten in der Baustelle, ging es voran, mit ungefähr 85km/h, wohl eher 90km/h – dort sind 80 gestattet. Ich hielt ordentlich Abstand zum Vordermann, um nicht noch schneller zu fahren – zumal der Vordermann schon wieder am Bremsen war. Und was war? Der Hintermann fuhr mit beinahe in den Kofferraum, gab Lichthupe … um dann, mit aufheulendem Motor, als ich recht rüber wechselte zwischen die LKWs, eben genau nicht vorbeizukommen, sondern eine ganze Weile zu brauchen. Und als der gute Mann dann Geschwindigkeit aufgenommen hatte, endete es recht rasch – mit starkem Bremsen vor dem Vordermann, der eben nun doch aufgrund zu geringer Abstände weiter vorne auf 65km/h runterbremsen musste.

Zur Zeit macht das Pendeln gar keinen Spaß, nichtmal, wenn ich drüber bloggen kann. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass die Leute einfach nicht verstehen, dass sie auch nicht schneller vor dem Fernseher sind, um WM zu gucken, bloß weil sie den großen Egotrip auf der Autobahn durchziehen. In aller Regel ist der Unterschied zwischen Lückenspringen, Spurwechseln, jede Lücke zufahren auf der einen und ruhig die Spur halten und mit Abstand hinterherzuckeln nach dem Stau bei fünf, vielleicht zehn Positionen – und zehn Autolängen, selbst mit adäquatem Abstand, fährt man mit Autobahn-Reisegeschwindigkeit in wenigen Sekunden zu.

Aber vermutlich ist das niemandem klar, dass man Zeit kaum durch riskantes Fahren im Stau gewinnt, sondern wenn überhaupt durch halbwegs konstantes, flottes Fahren in den Bereichen, wo man freie Fahrt hat. Was auf der A8 im Moment zugegebenerweise mindestens im westlichen Abschnitt nicht oft vorkommt.

Was guckst Du?

Heute Morgen habe ich zwei Dinge wesentlich im Kopf gehabt – von meiner üblichen ausufernden Phantasie und der Tatsache, dass ich wegen Stau zu spät zur Arbeit kam, mal abgesehen. Und beides hat mich zu ungläubig-ärgerlichen Schimpfkanonaden verleitet.

Zunächst einmal der Fall von gestern: Mein ans Ethernet-Kabel angeschlossenes MacBook wollte plötzlich nicht mehr ins Netz. Es sagte nicht nur, dass es keine Verbindung habe, sondern es leugnete gar die Existenz des (physisch sichtbar!) angeschlossenen Kabels mit eingerastetem Western-Stecker. Nach endlicher Zeit zog ich das Ding mal raus und steckte es wieder rein: Weiterhin nix. Hätte ich mir doch den Stecker mal gleich ordentlich angeschaut! Sonst hätte ich gleich gemerkt, was mir dann erst nach drei Neustarts und Checken meines Switchs auf dem Schreibtisch und so weiter auffiel: Ein winziges Stückchen Papier klebte vorne auf dem Western-Stecker. Warum allerdings früher am Abend, vor der ganzen Aktion, die gesteckte Verbindung noch funktionierte, blieb mir ein Rätsel. Da guckte ich ganz schön blöd aus der Wäsche – und fragte mich: Warum habe ich den Fetzen beim Ausstecken – oder noch früher beim Einstecken – nicht gesehen.

Und dann heute morgen. Da kam mir die Frage: „Was zum Henker läuft falsch mit Euch?“ Damit sind natürlich nicht die Leser meines Blogs gemeint – sondern die Fahrer auf der A8. Oder zumindest einige davon. Denn ich stand heute morgen acht Kilometer im Stau. Der Unfall direkt zu Anfang des Staus, den Google Maps noch anzeigte, war nicht mehr sichtbar – das war bei Karlsbad. Der Stau ging weiter und weiter und weiter – bis fast nach Pforzheim. Und die Ursache? Ein Unfall. Ja. Aber auf der anderen Seite! Ich glaube, ich habe vollkommen verblüfft, entsetzt und fassungslos ausgesehen und ich habe mehrfach zu meiner Windschutzscheibe gesagt: „Das könnt Ihr jetzt nicht bringen, oder?“ Ich kenn das mit dem Gaffen ja leider schon – ich guck nach Kräften weg. Es gibt zwei Varianten, mit Unfällen umzugehen, egal, wo sie sind: Entweder ich stelle mein Auto auf die Standspur, halte an und betätige mich als Helferin, Warnweste, erste Hilfe und alles inbegriffen. Oder ich fahre dran vorbei, zügig und mit den Augen auf den Verkehr, nicht den Unfall. Für mich ist letzteres – wenn ich schon nicht ersteres tun muss – im Interesse meiner Nachtruhe, denn Unfallszenen machen mir Albträume. Aber wie’s scheint bin ich da nicht unbedingt ein Standardfall.