Ausweicherlebnisse

Nun – die Baustelle. Am Karlsruher Dreieck. Nahezu jeder mehr als einstreifige Abschnitt des Karlsruher Dreiecks ist um einen Streifen reduziert. Vielleicht auch buchstäblich jeder.

Das führt für mich dazu, dass ich die Bundesstraße 3 fahre, wie sie früher mal verlief, zumindest bis in die Mitte von Ettlingen: Schnurgerade, gerader als die A5, zu der sie weitgehend parallel verläuft, nur von dem einen oder andern Verkehr beruhigenden und Fahrer im Berufsverkehr eher nicht beruhigenden Kreisel unterbrochen. Und dann mitten in Ettlingen rechts den Berg hoch, dann wieder rechts auf die Straße hoch nach Busenbach, und durch Busenbach zur A8 Karlsbad.

Gerne würde ich durch den Wattkopftunnel fahren – ich fahre SO gerne Tunnel! Tunnel sind echt toll, finde ich, auch wenn ich es nicht genau benennen kann, warum. Beim ersten Mal habe ich es auch gemacht, weil ich unbedingt, mit aller Gewalt, durch den Wattkopftunnel fahren wollte – und zu dem Zeitpunkt trotz nunmehr langjährigem Leben in der Gegend, nicht wusste, dass der Tunnel Wattkopftunnel heißt. Aber allein das kurze Stück ehemalige B3 von Ettlingens kreuzungstechnischer Mitte zur neuen B3 hoch vergällt es einem – nachhaltig. Drei Kreisel, an denen im Berufsverkehr gefühlt nebeneinander Lucifer und Satan ins Lenkrad beißen – sprich: Da ist die Hölle los. Außerdem fährt man da dann auf die verstaute A5 zu, und irgendwie fühlt sich das komisch an – das Rechtsabbiegen Richtung Wattkopftunnel fühlt sich da dann an wie das Entkommen aus dem Fegefeuer. Nebenbei: Google Maps will einen, trotz nachdrücklichem Drang zur Vermeidung der A5 und immer wieder Ignorieren der Tendenz da hin, immer wieder statt in Karlsruhe Süd eben in Ettlingen auf die A5 führen – das sind gerade mal 1500m Stau weniger.

Aber diese Strecke macht keinen Sinn. Die geneigte Pendlerin vermeidet also diesen Kreisel-Marathon und fährt unter freiem Himmel Richtung Busenbach. Und als ich das erste Mal diese Route gewählt habe, dachte ich: Himmel, was hab ich den nun wieder angestellt? Alles staute sich. Natürlich erkannte ich die nette T-Kreuzung am oberen Ende des Wattkopf im nunmehr erfolgenden Stau auch erstmal nicht und begriff erst nach einem Moment: „Oh? Durch den Tunnel wäre ich auch gestanden?“ Zur physischen Entlastung der Strecke trug der Unfall nach einer Ampel hier nicht gerade bei, aber mich erleichterte das: Die Ausweichstrecke ist doch nicht ganz so blöd, wie ich befürchtet hatte. An dem Tag hatte ich aber auch echt Pech: Es gab einen netten kleinen Unfall gerade an einer Stelle, wo steil bergauf zwei Spuren nach einer Ampel wieder auf eine zusammengeführt wurden. Ein bisschen Glück im Unglück war dabei: Ein winziges Stückchen beginnende Abbiegespur und einsichtige Polizisten erlaubten, dass der leicht irritierte Verkehr aus beiden Richtungen halbwegs langsam, aber doch stetig und in beiden Richtungen an der Engstelle vorbeifließen konnte. Hoffentlich ist das nicht bald wieder so!

Und dann noch Busenbach! Klar, man hat die A5, um nicht durch Busenbach zur A8 fahren zu müssen. Das Dorf ist nicht auf großen Durchgangsverkehr ausgelegt. Aber auf teils steiler Durchgangsstraße durch Busenbach ist so ziemlich alles so vollgeparkt, dass schon zwei PKW nur langsam und vorsichtig in verschiedenen Richtungen aneinander vorbei kommen. Wenn dann noch ein forscher Busfahrer und ein forscher Kurierdienstfahrer gucken, dass sie rasch in einer kurzen Lücke (kürzer als der Bus, länger als der Transporter) vorbeikommen, dann muss es schon genau passen – und kein etwas forscher, vor allem aber dämlicher Fahrer seinen langen, breiten Geländewagen zu dem Kuriertransporter in die Lücke quetschen versuchen. Fünf Minuten ging gar nichts, der Kurierfahrer stieg aus und motzte Geländewagenfahrer und Busfahrer an, mit einem Effekt von exakt Null. Dank einer Dame aus dem angrenzenden Blumenladen lief es dann wieder, denn sie regelte den Verkehr: Lotste den Bus wirklich haarscharf zwischen Straßenlaterne und Geländewagen durch, dann den Transporter aus der Lücke und gab dann den Verkehr wieder frei. Ein Glück war sie da, denn sonst hätte keiner nachgegeben und keiner sich durchfädeln können.

Abenteuer Dorfstraße – da mag man doch die verstaute A8. Wobei: Zur Zeit läuft’s Richtung Stuttgart in der Baustelle bei Karlsbad ganz gut. Kein Wunder, die A8 wird ja über ihre beiden Zuleitungen A5 von Frankfurt und A5 von Basel durch die Baustelle gedrosselt, der Verkehr ist weniger und so läuft’s auch in der Großbaustelle.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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