Die Geschwindigkeitsinversion

Vorkommen: An Zusammenführungen zweier Strecken, besonders stark dort, wo zwei oder mehr Spuren von rechts mit einer zwei- oder mehrspurigen Strecke zusammengeführt werden. Kann aber auch an vielen anderen Orten auftreten und ist oft ein Teilaspekt, vielleicht sogar nur ein Symptom eines größeren Problems.

Symptome: Statt von rechts nach links steigt die Geschwindigkeit des (langsam) fließenden Verkehrs über längere Zeit und Strecke hinweg von links nach rechts an. Normalerweise sollten ja die langsamsten Fahrzeuge auf der rechten Spur fahren, wer etwas schneller ist, überholt auf der nächsten Spur weiter links – und so weiter. Bei einer Geschwindigkeitsinversion ist das Gegenteil der Fall. Man könnte sicher auch das unregelmäßige, mehr oder minder abwechselnde Vorankommen und Stehen bei mehrspurigem Stop-And-Go als Geschwindigkeitsinversion betrachten, das möchte ich aber nicht tun.

Unterstellte Ursachen: Rabiater Spurwechsel nach links, oft gekoppelt mit dem Anspruch, auch schneller zu fahren als der Durchschnitt der Spur weiter links. Zum Beispiel am Leonberger Dreieck: Zwei Fahrstreifen A81 von Heilbronn von rechts, zwei Fahrstreifen A8 von Karlsruhe her von links. Die LKW aus Karlsruhe dürfen zunächst nicht nach recht wechseln – und können es wegen eher kurzer Lücken auch nicht. Aber da nun einmal auf der zweiten Spur von links und auf der ganz rechten „schleichende“ LKW fahren, müssen plötzlich sehr viele Fahrer nach links, um dort – vermeintlich schneller zu werden. Die Abstände sinken massiv, es kommt zu Stockungen auf den überfüllten Spuren. Und schon hat man auf der stockenden linken Fahrbahn das, was einem unterstellterweise vor allem hinter langsamen LKW auf der rechten Spur passiert: Der fließende Verkehr auf der Zielspur ist zu schnell, um in ihn hinein zu wechseln. Die überfüllte linke Spur kann sich also nicht auf die nächste weiter rechts entlasten – und wenn doch, wird auch dort der Verkehr oft zum Stocken gebracht, weil die Fahrer plötzlich bremsen müssen. Ergebnis: Auf der rechten Spur und auf der zweiten von rechts geht es recht flott voran, links davon langsam bis sehr langsam mit Stockungen, am langsamsten ganz links.

Nervfaktor: Hoch. Meistens hält das Ganze – mindestens am Dreieck Leonberg – gekoppelt mit etwas, das ähnlich wie die Senkenstockung funktioniert, recht lange an – in Strecke wie Zeit. Außerdem sind die langsamen, von links nach recht ziehenden Spurwechsler oftmals weniger achtsam als jemand, der von rechts nach links wechselt – merke ich auch an mir selbst. Steht oder schleicht man auf der langsamen Spur, ist’s super-nervig, wird man von Ausscherern zum raschen Bremsen oder von Hinterleuten zum schneller Fahren auf den schnelleren, weiter rechts liegenden Spuren genötigt, ist’s nicht nur nervig, sondern auch gefährlich.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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