Ausweichabfahrt

Am gestrigen Abend war die A8 erstaunlich frei – unter anderem wohl daher, dass der gesamte Verkehr, der die A8 als Brücke nach Westen benutzt, um dann in Richtung Norden abzubiegen, bereits am Leonberger Dreieck über A81 und A6 Richtung Mannheim beordert wurde. Die dortigen Hinweisschilder zeigten die Vollsperrung zwischen Karlsruhe Nord und Bruchsal an und empfahlen dem Fernverkehr, sich auf der anderen Route zu halten.

Nun war ich aufgrund von Bauchschmerzen recht früh dran und erwartete natürlich auch maximal einen kleinen Rückstau auf die A8 am Karlsruher Dreieck, weil ja auf der A5 Richtung Norden Chaos herrschte. Dieser hielt sich dankenswerterweise in Grenzen – doch dann stand ich völlig perplex und ein bisschen geschockt plötzlich in der Überleitung auf die A5 Richtung Süden ebenfalls im Stau! Zuerst dachte ich, na gut, ist wohl nur das im Radio angekündigte Pannenfahrzeug kurz vor Ettlingen. Aber es staute sich auch danach weiter, und in Karlsruhe Süd musste ich ja raus. Also ordnete ich mich rechts ein und harrte der Dinge, die da kommen. Natürlich herrschte der übliche Wahnsinn – aus dem Stau auf der rechten Spur wurde ein Doppelstau auf der rechten und der Standspur, weil natürlich einige Leute regelgemäß erst auf der Ausfädelspur nach rechts wechseln wollte, andere aber hofften, das Ganze zu umgehen. Nun lief der Verkehr auf den beiden Spuren links von mir – mittlere und linke also – plötzlich wieder. Und daher wurde ich misstrauisch. Also checkte ich mal die Verkehrssituation über Google Maps und siehe da – da hatte ich die Lösung: Tatsächlich sah es so aus, als habe die Kombination der Vollsperrung im Norden, des Pannenfahrzeuges bei Ettlingen und der Baustelle in der Reinhold-Frank-Straße in Karlsruhe dafür gesorgt, dass sowohl auf dem nördlichen wie auch auf dem südlichen Stück der A5 zwischen Karlsruhe Mitte und Karlsruhe Süd überhaupt nichts ging – in beiden Richtungen. Ferner staute es sich auch auf der Südtangente und auf dem Autobahnzubringer von Karlsruhe Süd nach Karlsruhe hinein.

Ein wunderhübsches Viereck zwei- bis dreispuriger Straßen im Karlsruher Süden glänzte also durch vollständige Unbefahrbarkeit und durch das Chaos Richtung Norden wichen so viele Leute, die nach Karlsruhe wollten, über Karlsruhe Süd aus, dass sich der Rückstau von der Baustelle in der Stadt bis auf die Autobahn zog. Das nenne ich einen Hammer.

Für mich war die Lösung recht einfach: Auf eine Lücke warten, die dank nach links ausscherender und eher langsam beschleunigender LKWs recht bald kam, an einem Kilometer Stau auf der rechten Seite locker vorbei fahren und dann nicht – wie vermutlich einige meiner Hinterleute unterstellten – wieder reindrängeln, sondern weiter fahren bis Rastatt Nord. So hatte ich mir die Heimfahrt am schönsten Tag der Woche allerdings wirklich nicht vorgestellt.

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Bau tritt auf der Stelle?

Etwas, das ich immer wieder höre als Fahrerin auf der A8 Karlsruhe-Stuttgart: „Da passiert doch nichts! Das dauert doch noch ewig!“

Bezogen ist das auf die Baustelle zwischen Karlsbad und Pforzheim West, mit neuer Brücke durch die Nöttinger Senke, mit einem tief in die Kuppe eingegrabenen neuen Teilstück, mit einem auf einem Damm verlaufenden Teilstück vor der Brücke. Und tatsächlich, bei der Riesenbaustelle kann es einem manchmal so vorkommen, als ginge nichts voran. Tatsächlich wird der neue, dreispurige Teil Richtung Karlsruhe zwischen Pforzheim West und der neuen Brücke bereits geteert, die Veränderungen auf der Klosterwegbrücke scheinen auch schon recht weit zu sein. Und am Eingraben der zweiten Richtungsfahrbahn zwischen Karlsbad und der neuen Brücke wird auch schon gewaltig gearbeitet. Ich habe große Ehrfurcht vor den gigantischen Ausmaßen dieses Neubaus und hoffe, dass er die derzeitigen Probleme lösen kann – denn im Moment befassen sich viele Fahrer in der vierstreifigen Baustellenlösung damit, immer in der Senke unten den Verkehr durch zu geringen Abstand und unmotiviertes Bremsen und Spurwechseln und Verschalten in der Senke zu lähmen.

Eine weitere Hoffnung: Es möge diese Baustelle fertig werden, bevor bei Pforzheim Ost gebaut wird. Das wäre mir ein Anliegen, weil zwei gigantische Baustellen auf 60km Autobahn würde versprechen, mir mein Pendlerleben zur Hölle zu machen.

Vom Einbiegen

Einbiegen – das ist mein Einstieg wieder, nach dem ich mit vielem beschäftigt war – nur nicht mit Bloggen.

Das Ereignis, auf welches sich das nun bezieht, ist auch schon etwas her. Setting ist ein Parkplatz zwischen zwei Supermärkten, und daran vorbei führt eine kleine Ortsstraße ohne mittlere Markierung. Ich parke öfter hier, wenn ich zu einem Kurs fahre – wie heute wieder. Nun blinke ich im Allgemeinen nicht die Autobahn-Empfehlung von 300m vor der Ausfädelspur vor dem Abbiegen, wenn ich auf so einem Sträßchen fahre. Und bei Gegenverkehr ohne Mittelmarkierung fahre ich auch ungern mehr als 30km/h, wenn die Straße kaum zweieinviertel Autos breit erscheint. Meinem Hintermann war das zu langsam, er hing mir quasi im Kofferraum – und hupte und gestikulierte wild, als ich zugegeben nur zwei bis drei Autolängen vor der Abzweigung blinkte, leicht die Bremse tippte und abbog. Nun arbeitet seit einer Weile in meinem Kopf: Ist es das Recht der Leute, so dicht aufzufahren, dass bei 30km/h leichtes Anbremsen wegen Abbiegen fast zum Unfall führt und solches Aufregen rechtfertigt? Was, wenn sich ein Kind losreißt und auf die Straße rennt – da muss man doch noch viel krasser bremsen?

Ich erwäge aber noch immer, ob ich einfach etwas selbstgerecht bin, weil ich so viel fahre.