Hürdenfahrt mit Pannenslalom

Man könnte glatt meine, es habe mir gefehlt. Könnte man. Könnte man?

Nein.

Aber genug des Lamentierens, ich will ja nicht versuchen, eben nicht zu schreiben, was ich meine, sondern lieber, es zu schreiben. Ungefähr so umständlich war meine Fahrt zur Arbeit heute.

Ich hatte nun tatsächlich mal gedacht, okay, jetzt lief es immer so gut, hörst Du mal eine Runde VNV Nation (bei denen ich am Samstag auf dem Konzert war) statt Verkehrsfunk und schaust nicht auf das Handy statt Google Maps mit Verkehrsinfo. Wird schon gut gehen – Pustekuchen. Noch in der Überleitung von der A5 zur A8 im Karlsruher Dreieck begann der Schlamassel. Es ging zunächst einmal wirklich rein gar nichts. Und nun schrieen eine Facebook-Message – ich stand ja eh, konnte also gut auf dem Smartphone Messages checken – Google Maps App und Radio auf mich ein: LKW-Unfall mit richtig allem drum und dran im Baustellenbereich bei Nöttingen. Wie sich langsam herauskristallisierte, das volle Programm: LKW umgekippt. Ladung über die Autobahn verteilt. Diesel ausgelaufen, auch ins umgebende Erdreich. Und dann brannte der Brummi auch noch. Ich hoffe, dem Fahrer ist nichts passiert. In der Folge auch für mich das volle Programm: Vollsperrung zwischen Karlsbad und Pforzheim West, Ausleitung in Karlsbad – somit drei Spuren von Karlsruhe hoch nach Karlsbad und das langsame gegen die Fahrtrichtung abfließen des Staus zwischen Karlsbad und der Unfallstelle – und all das über die eine Spur Abfahrt in Karlsbad, mit einer Ampel unten dran. Das klingt nicht nur nach Langsamkeit, genau so war es auch. Große Hürden zu überspringen, und da mein kleines Aygo-Maschinchen nunmal nicht fliegen kann (nichtmal besonders schnell den Berg hoch fahren), bereitete ich mich schon auf das Umgehen der Hürden vor. Aber das war noch nicht alles! Den Berg hinauf im Stau langsam hochzuckeln, in mehr Stop als Go und vor allem immer noch kurzem Go, das macht schon keinen Spaß – N-mal am Berg anfahren, da bedankt sich das Material. Dazu kann man ja auch schlecht ausgleichen – lässt man eine Lücke vor sich, um das nächste Anfahren zu sparen, schert vorne einer ein. Gut, das kann mir egal sein, es macht mich nicht signifikant langsamer. Aber wenn man vorne Platz lässt, um flüssiger weiter zu fahren, wenn es weiter geht, wird mit Sicherheit der Hintermann nervös, und wenn dann auch noch einer in die Lücke springt, dann werden alle Register gezogen: Hupe, Lichthupe und wildes Gestikulieren.

Etwas weiter oben am Berg – so ungefähr 500 Meter oberhalb des Karlsruher Dreiecks – dann die erste Verwirrung: Huch? Lückenspringen bin ich ja gewohnt, aber warum wechseln nun alle die Spur? Ist der Unfall nicht eine Vollsperrung und 12 Kilometer weiter? Pustekuchen: Panne. Also wälzte sich der stauende Verkehr noch um ein Hindernis herum. Kaum einen Kilometer weiter der nächste, auf einer anderen Spur – und so weiter und so fort. Es dauerte eine Stunde, eher etwas mehr, vom Karlsruher Dreieck zur Ausfahrt Karlsbad zu fahren. Und dann habe ich mich geweigert, Richtung B10 zu fahren – denn ich bin davon ausgegangen, dass die B10 genau so schlecht vorangeht wie die A8. Also die andere Route, über die Dörfer – über Keltern nach Pforzheim und dann ein kleines Stück B10, in Pforzheim West wieder auf die Autobahn. So weit die Theorie. Die Praxis war, dass zwar weit weniger Leute auf diese Idee gekommen waren als B10 fuhren, aber immer noch genug. Und die Kreisverkehre und Ampeln taten ein Übriges – es wurde fast 10, bis ich wieder auf die Autobahn fuhr. Und offenbar waren auf der leeren, da vom Stau und Engpass vom Nachschub abgeschnittenen A8 Pforzheim-Stuttgart immer noch genug Leute so im Staukoller, dass noch zwei zum Glück eher glimpflich aussehende und durch die schön breite A8 staulose Unfälle meinen Weg verunzierten.

Die armen Leute, die in Gegenrichtung fuhren, wurden übrigens in Pforzheim West abgeleitet und standen einmal ganz um Pforzheim herum, bevor sie die Autobahn verlassen konnten – obwohl hier nur zeitweise Vollsperrung den Weg von Pforzheim West nach Karlsbad behinderte. Ich glaub, die haben es noch schlimmer erwischt als ich, obwohl drei Stunden für meinen Arbeitsweg ein mehr als unschönes Erlebnis sind.

Auf der Heimfahrt präsentierte sich dann zumindest Richtung Karlsruhe die A8 mit unschuldigem Augenaufschlag und der impliziten Frage: „War was?“

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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