Von Licht und Sicht

Es ist November, das ist inzwischen sicher niemandem mehr entgangen. Auf der Straße bedeutet das: So ganz allmählich kann man mal mit kaltem Boden und vielleicht – möge es noch lange dauern – Schnee und Eis rechnen. Man verstehe mich nicht falsch: Ich mag Schnee. Schnee sieht total schön aus! Ich mag auch Reif, vor allem auf den kahlen Bäumen, die sehen dann wie funkelnde Christbaumkugel aus im richtigen Licht. Aber ich mag Eis, Schnee und Reif nur jenseits von Straße und Bürgersteig. Leider hat noch niemand eine selektive Ablenkung von Schnee, Eis, Reif und Frost weg von der Straße erfunden – sollte das jemand tun, ich würde da was für zahlen!

Aber zurück zu dem, was bereits akut ist: Das Licht und die Sicht. Und gleich in vielerlei Hinsicht. Mag sein, dass nun alle das große Gähnen kriegen, bei dem, was ich aufzähle: Tiefstehende Sonne und somit Gegenlicht. Nebel. Dunkelheit auf Arbeitshin- wie auch Rückweg. Und immer die Frage: Wann mach ich das Licht an?

Klar. Sind alles Dinge, die man eigentlich weiß oder wissen sollte. Aber seltsamerweise ist schon die Frage: „Wann schalte ich das Licht meines Autos ein?“ offenbar gar keine so einfache. Grundsätzlich gesagt: Mit Licht sieht man mich leichter als ohne. Das gilt sogar bei guten Sichtverhältnisse. Bei Dunkelheit ist es den meisten klar, aber gerade in der Dämmerung oder unter den Laternenpfählen von Dorf oder Stadt vergisst man es all zu leicht. Ich hab mir da an die eigene Nase zu fassen – mir passierte es mal auf der Heimfahrt von einer Feier, dass mein Mann neben mir guckte und meinte: „Willst Du nicht mal Licht anmachen?“ Wir waren unter Straßenlaternen, auf der Straße war’s halbwegs hell, aber prinzipiell war es schon stockdunkel … und somit hatte er recht: Ich hatte es vergessen. Ich habe mir inzwischen angewöhnt, stets das Licht an zu haben, wenn ich mit meinem Auto unterwegs bin. Der Griff zum Lichtschalter ist fast schon ein Reflex geworden – und das ist gut so. Der Mehrverbrauch an Strom und somit Kraftstoff – in Zeiten von Heizung, Klimaanlage, Autoradio, elektrischen Fensterhebern, Bordcomputer und so weiter sollte das bisschen Energie dann schon noch abfallen. Nur mal als Anregung: Man rechne sich aus, wie viel Energie es kostet, ein neues Auto zu erstellen. Dann frage man sich, wie viel Energie man einspart, bis es eventuell wegen fehlendem Licht zu einem Unfall kommt – und voilà, Licht lohnt sich, auch für den Gesamtenergieverbrauch.

Oh, Licht und Nebel – auch so eine tückische Geschichte. Ich habe in der Fahrschule gelernt, dass die Nebelschlussleuchte angeschaltet werden soll, wenn die Sichtweite unter 50 Metern beträgt. Zur Erinnerung: Die Leitpfosten, diese tollen, reflektierenden Dinger am Straßenrand, sind in der Regel 25 Meter auseinander. Sehe ich beständig zwei davon vor mir, also kommt der übernächste in Sicht, wenn ich einen passiere, dann habe ich 50 Meter Sichtweite oder mehr. Sehe ich weniger, darf ich die Nebelschlussleuchte anschalten – und dann aber auch nur noch maximal 50km/h fahren. Ich neige dazu, die Nebelschlussleuchte sogar eher bei noch kürzeren Sichtweiten anzuschalten – das ist natürlich nicht ganz korrekt, aber ich ertappe mich immer wieder dabei. Ich habe eben nachgelesen, dass die Nebelschlussleuchte 40mal so hell leuchtet wie die normalen Rücklichter – und das glaub‘ ich gerne: Das Ding blendet bei freier Sicht unheimlich, wenn’s jemand an hat. Und das begegnet mir immer wieder.

Gerade heute Morgen ist es mir wieder aufgefallen: Auf der Fahrt auf der Landstraße hatte ich Sicht von so 75 bis 100 Metern und es war noch dämmrig. Vor mir blendete mich einer mit seiner Nebelschlussleuchte und später wurde ich von einem Wagen ohne Licht überholt. Die Bandbreite scheint enorm zu sein … 

Und dann die Sache mit dem Gegenlicht … leider scheint Gegenlicht eine vollkommen überraschende Sache zu sein. In meinen Augen kann jeder halbwegs verfolgen, wo die Sonne steht, und ein wenig voraus sieht man ja auch, wie die Straße weiter verläuft. Zumindest die Sonnenblende rechtzeitig herunterklappen sollte in meinen Augen ein jeder können.

Nur: Jedes Mal, wenn man in eine Kurve hinein fährt und schon weiß, jetzt kommt gleich die Sonne direkt von vorne, man bremst leicht an, klappt die Sonnenblende runter, langt nach der Sonnenbrille – und schwenkt hübsch vom Leonberger Dreieck hoch in Richtung Stuttgarter Kreuz ein – und steigt voll in die Eisen, weil der Vordermann voll in die Eisen steigt. Das ist mir nun schon so oft passiert, dass ich bei Sonnenschein im Herbst und Winter die Sonnenbrille gar nicht mehr absetze, um wenigstens mit höchster Konzentration reagieren zu können.

Das nervigste an dieser Licht-Geschichte ist, dass sie – zum Glück bisher noch nicht in meiner direkten Umgebung beim Fahren, aber eben doch weit vor mir – oft für Unfälle sorgt. Natürlich ist Gegenlicht fies, ebenso wie Nebel und Dunkelheit, aber in aller Regel kommt keins davon völlig überraschend. Man kann sich darauf vorbereiten, denn eigentlich sollte man wissen, dass man im Herbst und Winter keine optimalen Bedingungen vorfindet. Denn abgesehen davon, dass ein Unfall auf der A8 im Berufsverkehr eine ziemlich spektakuläre Stauung nach sich zieht, in aller Regel, gefährdet man ja auch sich und andere, wenn man sich nicht auf die Verhältnisse einstellt … 

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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