Von Fahrer zu Fahrer …

… sei hier an den Lenker des Fahrzeuges generischer Farbe mit generischem Nummernschild gesagt, der heute auf dem Weg nach Hause vor mir ausscherte und von mir angehupt wurde: Es war nicht so gemeint. Es war im Affekt. Ich habe anschließend gemerkt, dass Sie anständig, vorausschauend und verkehrsflussfördernd fahren, mein Hupen also ein Missverständnis darstellte.

Aber von vorn: Es begab sich also zu der Zeit, da auf der Autobahn 8 von Stuttgart nach Karlsruhe der späte Mittwochfeierabendverkehr floss und strömte.  Und dann durch eine unvorhergesehene Engstelle – nur ein Fahrstreifen von zwei frei – zusätzlich zur normalen Verengung von drei auf zwei Fahrstreifen aufgestaut wurde. Also rollte ich mit Abstand auf der mittleren Spur schön geschmeidig dem stockenden Verkehr hinterher, versuchte, meine Kupplung zu schonen und meine Nerven, also nicht auf Stillstand zu bremsen. Das Ganze im Rückstau – wo es noch sechsstreifig ist, mit drei Fahrstreifen pro Richtung. Sehr nette Sache, aber es kam, wie es kommen musste: Als es mal auf der mittleren Spur etwas schneller ging als auf der rechten, gab rechts von mir die oben angesprochene Person Gas und scherte vor mir ein, rollte dem Vordermann hinterher, da war dann natürlich nicht genug Abstand – und schwuppdiwupp stand das Auto vor mir, während mein vorheriger Vordermann und nun Vorvordermann geschmeidig weiter rollte. Vielleicht lag’s an meinem etwas unentspannten Tag, aber ich war davon genervt – Lücke zu machen, dicht auffahren und dann auch noch die durch Lücke den Verkehr langsam fließen lassende Hinterfrau ausbremsen – also hupte ich.

Und genau das tut mir inzwischen leid. Denn über fast sechs Kilometer Stau und Stockung hat besagte Person vor mir genau das getan, in dem ich mich behindert fühlte durch oben genannte Aktion. Ich brauchte nur (wer kennt das Zitat) schön leise hinterherzuckeln. Und genau deswegen schreibe ich das hier, auch wenn die betreffende Person wahrscheinlich nicht hier mitliest und sich nach einem kurzen Denken einer mich betreffenden Verwünschung à la „Blöde Kuh, Hupe geschenkt bekommen, oder was?“ von mir abgewandt hat.

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Das Kreuz mit dem Kreuz – oder auch nicht

Heute war nichts los am Stuttgarter Kreuz! Es mag dran liegen, dass ich heute spät gekommen bin – musste mich morgens noch vor dem Losfahren ein bisschen um meinen kranken Mann und den Termin seines Autos bei der Werkstatt kümmern – und über helfen, organisieren und telefonieren war’s dann schon recht spät, bis ich loskam. Und siehe da: Am Stuttgarter Kreuz war nix los. Gut, da ist es meistens auch nicht so wild, morgens von Westen an’s Stuttgarter Kreuz.

Aber heute Abend war ich dann durchaus ein bisschen perplex: Ich war zwar etwas später dran als normal – fast halb sieben statt normal halb sechs, aber es war nicht weniger Stau als sonst, es war gar keiner. Flüssig und frei direkt auf die A8, kein Stauen, keine Stocken runter an’s Leonberger Dreieck.

Hat denn das bisschen Schnee neben der Straße, das schon fast wieder weggetaut ist, die Leute so verunsichert, dass sie plötzlich anständig fahren oder das Auto stehen lassen? Oder ist’s echt, weil ich später dran war als normal? Oder nur ein glücklicher Zufall?

Fragen über Fragen! Aber ich will mich sicher nicht beschweren. Bestimmt habe ich es nun „gejinxt“ und morgen ist wieder die blanke Hölle los auf der Autobahn …

Schneeflöckchen, Weißröckchen, die Straße machst glatt …

Uff. Heute, als ich aus dem Institut kam, umwehten mich Schneeflocken. Den ganzen Weg vom Institut umwehte meine Kollegin, die gelegentlich mit fährt, und mich das weiße Gestöber, und auf der Autobahn wurde es nicht besser. Oben am Stuttgarter Kreuz, dem höchsten Punkt meiner Strecke, blieb das Zeug sogar auf dem unbefahrenen Teil der Fahrbahn kurzfristig liegen. Die Temperaturen sind im Moment zwar über Null, aber das ist der erste Warnschuss.

Nicht, dass ich Schnee nicht mag, aber warum kann das Zeug nicht einfach nur neben den Verkehrswegen fallen? Im Schnee ist es ja leider auch so, dass man allein ganz gut damit klar käme, oftmals. Man fährt einfach so schnell, wie man sich traut und kriegt das alles ganz gut auf die Reihe. Aber dann sind da ja auch noch die anderen: Was dem einen „Angepasst“ erscheint, ist dem anderen ein „unverhältnismäßiges Schleichen“ und für den dritten „unverantwortliches Rasen“. Gerade bei schlechten Witterungsverhältnissen ist die Bandbreite enorm, was für richtig gehalten wird. Ich hoffe, dass ich morgen eine freie Autobahn vorfinde, wenn ich mich auf den Weg zu meiner Arbeit mache.

Oh, und ganz ohne Eis und Schnee habe ich heute morgen eine ziemlich verstaute Autobahn vorgefunden: Stau zwischen Dreieck Karlsruhe und Pforzheim West. Dreizehn Kilometer wegen eines LKW-Unfalls. Ich bin in Karlsruhe Süd also gar nicht erst auf die Autobahn, sondern bis kurz vor Karlsruhe Durlach auf der B3 geblieben, um dann über die Dörfer – Karlsruhe Grünwettersbach, Karlsruhe Palmbach, Karlsbad, Keltern, Ellmendingen bis nach Pforzheim West gefahren. Nicht, dass die Strecke nicht hübsch wäre, aber die vielen Kreisverkehre machen es zur Qual. Ich schätze, bei dem Stau heute morgen war es ein Breakeven.

Wieder hier unten im Tal stelle ich fest: Hier ist’s kaum Schneeregen, wo’s weiter oben schneit. Man darf gespannt sein, ob’s morgen rutscht.

LKW-Tetris

Eigentlich wollte ich versuchen, nicht mehr zwei Mal an einem Tag zu schreiben und dann wieder eine Weile nicht. Aber vorhin habe ich was gesehen, das mich einfach genötigt hat …

Die Heimfahrt war heute nicht unbedingt ein Spaß, denn der Stau begann schon an der Abfahrt Vaihingen an der A831/B14. Die letzten Tage war es meistens so, dass die Probleme auf der A81 Richtung Böblingen saßen und man dann auf der Ausfädelspur Richtung Karlsruhe, Heilbronn und München am Stau Richtung Süden vorbei fahren konnte, dann bis zum Ende der Einfädelspuren am Stuttgarter Kreuz stand – und dann ging es. Heute war das etwas anders.

Der Stau begann, wie geschrieben, vor Vaihingen. Er beanspruchte die beiden Spuren, die aus Stuttgart-Vaihingen hoch auf die A831 kommen, die daraus sich entwickelnde Spur Richtung A8, es staute sich weiter die gesamte Überleitung zur A8 Richtung Westen hoch, der Stau setzte sich auf den beiden Einfädelspuren und den drei Spuren von München nach Karlsruhe fort und der Stau endete nicht nach dem Einfädeln, nach dem also die 6 Spuren – 3 aus München, 2 aus Singen/Böblingen und eine aus Stuttgart – auf die endgültigen 3 reduziert waren. Nein. Etwas weiter vorne blinkte es blau. Der geneigte Stausteher vermutet hier einen Unfall in Höhe des Parkplatzes Sommerhofen. Doch dann änderte sich die Perspektive etwas.

Was war also los? Auf drei Spuren Breite beschäftigten sich Autofahrer damit, zu gucken, was die Polizei da anstellte. So kam ich nicht drum herum, auch ein bisschen zu gucken – ich war ja schön auf der rechten Spur und sah damit direkt auf die Polizei, die sich auf dem Verzögerungsstreifen zum Parkplatz Sommerhofen postiert hatte. Und dann sah ich auch, wieso: Der Parkplatz Sommerhofen stand – noch viel mehr als sonst – so abartig voller LKW, dass man sich fragte, ob bei Tetris nicht jetzt bald die ersten LKW als vollständige Reihe ohne Lücke verschwinden würden. Ein Polizist lief in erkennbarer Warnweste und mit einem ein wenig ratlos-belustigten Ausdruck über den Parkplatz, neben dem Parkplatz auf dem Standstreifen standen weitere zwei LKW mit Warnblinker. Ich meine, es ist schön, dass die Polizei mal danach guckt, dass die Parkplätze dermaßen mit LKW überfüllt sind, dass man, keinen Parkplatz findend, noch nicht mal gescheit wieder raus kommt, um zurück auf die Autobahn zu fahren. Ist mir ja neulich auf dem Parkplatz Kämpfelbach auch passiert: Ich bin kurz raus, um einen wegen Autofahrt nicht angenommenen Anruf zu beantworten, und dann war’s eine ätzende Kurverei um parkende LKW, wieder zurück auf die A8 zu kommen.

Das Problem geht ja aber tiefer. Es ist sehr deutlich zu sehen, dass an der A8 recht konsequent die vorhandenen Parkplätze – Sommerhofen, Heckengäu, Rasthof Pforzheim, Kämpfelbach und Birkenwäldle – mit LKW prall gefüllt bis überfordert sind. Die recht kleinen Parkplätze, die wegen des 6-streifigen Ausbaus im Moment nicht zugänglich sind, würden das auch nicht rausreißen, da zum Beispiel Heckengäu ja echt großzügig ist, mindestens im Verhältnis zu früher. Offenbar ist mit dem hohen Verkehrsaufkommen an Fracht und zugleich den langen Verzögerungen durch Staus die nötige Standfläche für die LKW, die ja ihre obligatorischen Pausen machen müssen, schlicht nicht vorhanden. Und das verbessert den Verkehrsfluss wieder nicht – denn wenn die LKW suchen, wo sie stehen können, sich in den Ein- und Ausfahrten der Parkplätze oder dem Standstreifen hinstellen, um ihre Pausen zu machen, stört das den Verkehrsfluss auf der A8.

Vorerst scheint nur zu bleiben, dass die Brummis weiter Tetris spielen und versuchen, sich in den Parkplätzen möglichst dicht zu packen. Aber eine Dauerlösung ist das meiner Ansicht nach nicht.

Von Licht und Sicht

Es ist November, das ist inzwischen sicher niemandem mehr entgangen. Auf der Straße bedeutet das: So ganz allmählich kann man mal mit kaltem Boden und vielleicht – möge es noch lange dauern – Schnee und Eis rechnen. Man verstehe mich nicht falsch: Ich mag Schnee. Schnee sieht total schön aus! Ich mag auch Reif, vor allem auf den kahlen Bäumen, die sehen dann wie funkelnde Christbaumkugel aus im richtigen Licht. Aber ich mag Eis, Schnee und Reif nur jenseits von Straße und Bürgersteig. Leider hat noch niemand eine selektive Ablenkung von Schnee, Eis, Reif und Frost weg von der Straße erfunden – sollte das jemand tun, ich würde da was für zahlen!

Aber zurück zu dem, was bereits akut ist: Das Licht und die Sicht. Und gleich in vielerlei Hinsicht. Mag sein, dass nun alle das große Gähnen kriegen, bei dem, was ich aufzähle: Tiefstehende Sonne und somit Gegenlicht. Nebel. Dunkelheit auf Arbeitshin- wie auch Rückweg. Und immer die Frage: Wann mach ich das Licht an?

Klar. Sind alles Dinge, die man eigentlich weiß oder wissen sollte. Aber seltsamerweise ist schon die Frage: „Wann schalte ich das Licht meines Autos ein?“ offenbar gar keine so einfache. Grundsätzlich gesagt: Mit Licht sieht man mich leichter als ohne. Das gilt sogar bei guten Sichtverhältnisse. Bei Dunkelheit ist es den meisten klar, aber gerade in der Dämmerung oder unter den Laternenpfählen von Dorf oder Stadt vergisst man es all zu leicht. Ich hab mir da an die eigene Nase zu fassen – mir passierte es mal auf der Heimfahrt von einer Feier, dass mein Mann neben mir guckte und meinte: „Willst Du nicht mal Licht anmachen?“ Wir waren unter Straßenlaternen, auf der Straße war’s halbwegs hell, aber prinzipiell war es schon stockdunkel … und somit hatte er recht: Ich hatte es vergessen. Ich habe mir inzwischen angewöhnt, stets das Licht an zu haben, wenn ich mit meinem Auto unterwegs bin. Der Griff zum Lichtschalter ist fast schon ein Reflex geworden – und das ist gut so. Der Mehrverbrauch an Strom und somit Kraftstoff – in Zeiten von Heizung, Klimaanlage, Autoradio, elektrischen Fensterhebern, Bordcomputer und so weiter sollte das bisschen Energie dann schon noch abfallen. Nur mal als Anregung: Man rechne sich aus, wie viel Energie es kostet, ein neues Auto zu erstellen. Dann frage man sich, wie viel Energie man einspart, bis es eventuell wegen fehlendem Licht zu einem Unfall kommt – und voilà, Licht lohnt sich, auch für den Gesamtenergieverbrauch.

Oh, Licht und Nebel – auch so eine tückische Geschichte. Ich habe in der Fahrschule gelernt, dass die Nebelschlussleuchte angeschaltet werden soll, wenn die Sichtweite unter 50 Metern beträgt. Zur Erinnerung: Die Leitpfosten, diese tollen, reflektierenden Dinger am Straßenrand, sind in der Regel 25 Meter auseinander. Sehe ich beständig zwei davon vor mir, also kommt der übernächste in Sicht, wenn ich einen passiere, dann habe ich 50 Meter Sichtweite oder mehr. Sehe ich weniger, darf ich die Nebelschlussleuchte anschalten – und dann aber auch nur noch maximal 50km/h fahren. Ich neige dazu, die Nebelschlussleuchte sogar eher bei noch kürzeren Sichtweiten anzuschalten – das ist natürlich nicht ganz korrekt, aber ich ertappe mich immer wieder dabei. Ich habe eben nachgelesen, dass die Nebelschlussleuchte 40mal so hell leuchtet wie die normalen Rücklichter – und das glaub‘ ich gerne: Das Ding blendet bei freier Sicht unheimlich, wenn’s jemand an hat. Und das begegnet mir immer wieder.

Gerade heute Morgen ist es mir wieder aufgefallen: Auf der Fahrt auf der Landstraße hatte ich Sicht von so 75 bis 100 Metern und es war noch dämmrig. Vor mir blendete mich einer mit seiner Nebelschlussleuchte und später wurde ich von einem Wagen ohne Licht überholt. Die Bandbreite scheint enorm zu sein … 

Und dann die Sache mit dem Gegenlicht … leider scheint Gegenlicht eine vollkommen überraschende Sache zu sein. In meinen Augen kann jeder halbwegs verfolgen, wo die Sonne steht, und ein wenig voraus sieht man ja auch, wie die Straße weiter verläuft. Zumindest die Sonnenblende rechtzeitig herunterklappen sollte in meinen Augen ein jeder können.

Nur: Jedes Mal, wenn man in eine Kurve hinein fährt und schon weiß, jetzt kommt gleich die Sonne direkt von vorne, man bremst leicht an, klappt die Sonnenblende runter, langt nach der Sonnenbrille – und schwenkt hübsch vom Leonberger Dreieck hoch in Richtung Stuttgarter Kreuz ein – und steigt voll in die Eisen, weil der Vordermann voll in die Eisen steigt. Das ist mir nun schon so oft passiert, dass ich bei Sonnenschein im Herbst und Winter die Sonnenbrille gar nicht mehr absetze, um wenigstens mit höchster Konzentration reagieren zu können.

Das nervigste an dieser Licht-Geschichte ist, dass sie – zum Glück bisher noch nicht in meiner direkten Umgebung beim Fahren, aber eben doch weit vor mir – oft für Unfälle sorgt. Natürlich ist Gegenlicht fies, ebenso wie Nebel und Dunkelheit, aber in aller Regel kommt keins davon völlig überraschend. Man kann sich darauf vorbereiten, denn eigentlich sollte man wissen, dass man im Herbst und Winter keine optimalen Bedingungen vorfindet. Denn abgesehen davon, dass ein Unfall auf der A8 im Berufsverkehr eine ziemlich spektakuläre Stauung nach sich zieht, in aller Regel, gefährdet man ja auch sich und andere, wenn man sich nicht auf die Verhältnisse einstellt … 

Ode an die A8

Oh holdes Band aus schwarzem Stein,
Oh Straße die führt weg vom Rhein,
Bist ständig hier und da in Bau,
Doch auch der Unfall führt zum Stau.

Führest über Berg und Tal,
Im Stau ist es ’ne wahre Qual.
Doch bist Du frei, die Sonne lacht,
Könnt ich Dich lieben, oh A8.

Oh holdes Band aus dunklem Stein,
Oh Straße die führt hin zum Rhein,
Hunderttausende von Wagen,
Sich auf Dir täglich weiter plagen.

Doch rollen meines Autos Reifen,
Oft ruhig und schnell auf Deinen Streifen.
Ich schätze Dich, bei Tag und Nacht,
Sei bitte frei, Autobahn Acht.

Fahrstreifen, oh du verwirrend Ding

Tja. Fahrstreifen. Viel Aufhebens um so ein markiertes Stück Asphalt, eingezwängt zwischen zwei weißen oder gelben, durchzogenen oder unterbrochenen, dicken oder dünnen Linien, die manchmal sogar dafür sorgen, dass das Fahrgeräusch massiv anschwillt.

Essentiell ist natürlich die Unterteilung in Fahrstreifen je Richtung – sei es, damit man nicht kollidiert, bei nicht baulich getrennten Straßen, sei es, damit man die richtige Richtung weiter einschlägt, wenn die Straße sich teilt. Aber dann gibt es da noch so ein Konzept, das scheinbar schwierig ist: Mehrere parallele Fahrstreifen, alle für die selbe Richtung. Am spannendsten ist das, wenn es mehr oder weniger werden – aber das hatten wir schon. Sehr spannend sind mehrere Fahrstreifen aber auch, wenn es gleich viele bleiben. Tja, warum eigentlich?

Nun, wie soll man sagen: Es gibt da einen gewissen Sollzustand. Der besteht aus einem Geschwindigkeitsprofil, das vom rechten Fahrbahnrand zum linken Fahrbahnrand – also der Mittelleitplanke – immer schneller wird. Unterstützt wird dieser Sollzustand durch Regeln wie LKW-Überholverbot oder das Rechtsfahrgebot. Aber wenn wir vom LKW-Überholverbot sprechen, habe ich ja schon in einem früheren Beitrag ein wenig darüber geschrieben, dass das manchmal nur als ein Vorschlag begriffen wird, sich mit seinem vielachsigen, schweren Ungetüm auf der rechten und langsamsten aller Spuren aufzuhalten, was bei dem Druck, dem LKW-Fahrer ausgesetzt sind, nicht sehr verwundert. Also kommen wir zum Rechtsfahrgebot. Und ihr hier wird es schwierig. Was ist das, ein Gebot, wenn wir es im Straßenverkehr anwenden? „Du sollst rechts fahren.“ Schöne Sache. Und wenn ich es nicht tu, komme ich nicht in den Himmel?

Warum also ist das Rechtsfahrgebot also ein Gebot und keine bindende Regel? Auch wenn ich weiß, dass sich viele Leute über die auf mittlerer oder gar linker Spur mit echter oder gefühlter LKW-Geschwindigkeit fahrenden PKW aufregen, würde ich es mir nicht so ganz so einfach machen. Letztlich, im praktischen Gebrauch, besagt das Rechtsfahrgebot, dass ich auf den Spuren links der rechten Spur nur Überholvorgänge durchführe, also wieder auf die Rechte zurückkehre, so bald diese frei ist. Dabei gibt es keine Regel, wie sich meine Geschwindigkeit zu der anderer Verkehrsteilnehmer auf der Spur, auf die ich zu wechseln vorhabe, verhält. Und genau hier fängt das Problem an. Auf einer deutschen Autobahn, auf nicht geschwindigkeitsbegrenzten Stücken und teils auch auf solchen, wo ein Tempolimit gilt, sind Fahrgeschwindigkeiten ein breites Spektrum. Bei sehr wenig Verkehr sage ich schlicht: Alles fährt rechts, wenn einer sich seinem Vordermann nähert, ist er schneller als dieser und schert aus, überholt, schert wieder ein. Eine schöne Welt wäre das!

Die Realität sieht etwas anders aus: Sehr häufig trifft man über weite Strecken geschlossene LKW-Treks mit 80-85km/h auf der rechten Spur an, auf der mittleren – im dreispurigen Paradies – wird 100-120 gefahren und links wird gefahren, was geht. Das wäre das Extrem der Geschwindigkeitszonen. Eine hübsche Sache wäre das eigentlich, aber sie würde genau drei Geschwindigkeitsgruppen zulassen, und auch das entspricht nicht der Realität und der Vorstellung der Freiheit im Individualverkehr ebenfalls nicht.

In der wirklichen Welt sind „Überholer-Paradigma“ und „Geschwindigkeitszonen-Paradigma“ stark gemischt, und was real passiert, entspricht weitestgehend einer Art Etikette, was man tut und was nicht. In der Enge einer realen Autobahn sind bei einer Mischung von Geschwindigkeitszonen und Überholvorgängen oft mit adäquatem Sicherheitsabstand nur über einen mehr oder minder extremen Kompromiss kompatibel. Und so sitze ich oft da und frage mich: Kann man das noch tun? Sollte man es lassen? Die Grenzen dessen, was man bei der Wahl der Spur oder bei der Geschwindigkeit beim Spurwechsel machen darf und sollte, sind recht fließend, selbst wenn ich mich bemühe, Abstände einzuhalten. Denn wird der Geschwindigkeitsunterschied zwischen zwei Spuren zu groß, ist ein Wechsel weder in der einen noch in der anderen Richtung möglich, ohne den Verkehr massiv zu behindern. Andererseits will ich auch nicht 100 fahren können, selbst den Berg hoch und mit meinem dürr motorisierten Gefährt, aber mit 65 hinter einem LKW herzuckeln. Ob ich mit 65 auf die Spur, auf der 95 bis 100 gefahren wird, hinausfahren kann, wenn nicht gerade alles leer ist, ist aber auch eine gute Frage.

Ich habe keine Antwort auf diese Fragen, keine Lösung. Fahrstreifen zu benutzen ist eine Kunst, wenn man es richtig machen möchte.

Natürlich gibt es die Leute, die kilometerweit auf der mittleren Spur 95 fahren, während die rechte frei ist. Hatte ich heute mal wieder vor mir. Natürlich gibt es die Leute, die mit 250 auf der linken Spur anrasen und den mit 160 überholenden Fahrer mit Lichthupe und engstem Auffahren nötigen, seinen Überholvorgang abzubrechen. Natürlich gibt es auch die Leute, die egal ob bei regulären Überholvorgängen links oder irregulärem Überholen rechts extrem knapp einscheren – hatte ich haute auch wieder vor mir.

Aber diese „Spezialisten“, welche extrem weit aus dem akzeptablen Handeln bei der Benutzung von Fahrstreifen herausragen, sind selten. Sie sind sehr selten. Über sie wird sich echauffiert und aufgeregt, dass es eine wahre Freude ist. Aber sind die das Problem? Werden nicht Menschen, die ihren Fokus ein bisschen mehr auf dem „Überhol-Paradigma“ haben, wild schimpfen über jemanden, der nicht für 50 Meter Lücke zwischen LKW mit seinen 110 einschert, um gleich wieder ausscheren zu wollen, und dann nicht rausgelassen zu werden?

Ich sehe tagtäglich, dass es das eher kleine, kleinliche Beharren auf dem eigenen Paradigma der Spurbenutzung, das Zufahren der Lücke aus der Illusion, dadurch spürbar schneller ans Ziel zu kommen, das rigoros in eine zu kleine Lücke und mit etwas falschem Tempo hineinschieben sind, welche den Verkehrsfluss mit vielen kleinen Nadelstichen wesentlich stören. Die meisten Menschen sind nicht weit davon weg, einen Konsens über die Benutzung der Spuren zu haben. Große Abweichungen, da braucht man nicht viel zu sagen. Da sind sich alle einig: „Der macht was falsch.“ Aber was ist mit den kleinen Dingen? Zugefahrene Lücken, in zu enge Lücken ausscheren, all das zerstört den Abstand. Wenn ich jemanden reinlasse, helfe ich ihm und mir. Wenn ich lieber noch eine Lücke warte, bewahre ich genauso etwas mehr Kontrolle über meinen Abstand zum Vordermann und lasse den anderen Verkehrsteilnehmern auch mehr Kontrolle. Und zu wenig Abstand ist der Tod des Verkehrsflusses.

Manchmal frage ich mich dann, ob wir nicht alle lieber ein bisschen Etikette pauken sollten: Vorausschauendes Fahren, Rücksichtnahme, Abstandhalten, Ruhe Bewahren. Das Rechtfahrgebot und die Vorfahrtsregelungen kennen wir alle. Und wer sich grob daneben benimmt, fällt auf. Oft jedoch müssen wir einen Kompromiss finden zwischen Abstands-, Geschwindigkeits- und Rechtsfahr-Regeln. Wie wir den ausgestalten, innerhalb der Toleranzen dieser Regeln, erfordert oft das, was ich hier Etikette genannt habe – sonst fahren wir im Rahmen des Möglichen korrekt, aber doch gefährlich und/oder kontraproduktiv für den Verkehrsfluss.

Ich bitte ganz herzlich um Entschuldigung für den polemisch gefärbten Lehrtext – denn ich sollte mir oft genug selbst an die eigene Nase fassen bezüglich dessen, was ich hier drüber lang und breit ausgewalzt habe.