Glücksklee

Wer kennt sie nicht? Die klassisch-deutsche Form des Autobahnkreuzes: Das Kleeblatt.

Ein Kleeblatt in Reinkultur leitet ja den potentiell die Richtung wechselnden Verkehr auf eine Parallelfahrbahn um, von welcher dann zwei Rampen abgehen: Eine erste in Form eines meist eingedellten Viertelkreises, welche einen Richtungswechsel um ungefähr 90° im Uhrzeigersinn auf die kreuzende Autobahn erlaubt – also quasi recht abbiegen, und eine zweite in Form eines Dreiviertelkreises, welche einen Richtungswechsel um ungefähr 270° im Uhrzeigersinn erlaubt – quasi links abbiegen. Das bietet mehrere Vorteile: Der Verkehr auf den Richtung haltenden Fahrbahnen wird nur mit einer Aus- und einer Einfahrt gestört, man kann auf diesen Kreuzen recht einfach wenden, in dem man zweimal nach Autobahnkreuzmanier links abbiegt.

Warum nun heute Morgen etwas zum Autobahnkreuz, wo doch, wie der geneigte Leser fragen mag, gar kein echtes, vollständiges Kleeblatt mehr auf meiner Route liegt? Nun ja. Mindestens aus Richtung Westen und Norden verhält sich das Stuttgarter Kreuz als Kleeblatt. Mein Eindruck ist, dass ein Kleeblatt um so besser funktioniert, je ähnlicher der Umfang der wechselnden Verkehrsströme ist. Am Stuttgarter Kreuz aus Richtung Westen lässt die Zahl der Spuren eine gewissen Unterschiedlichkeit der Verkehrsströme vermuten: Von vier Spuren aus Richtung Karlsruhe (und Heilbronn, die A81 ist ja nur eine Anschlussstelle vorher eingemischt worden) bleiben drei der Richtung gen München treu, die rechte Spur dagegen gabelt sich zu zwei Abbiegespuren: Die linke gabelt sich nach Kleeblattmanier in Richtung A831 nach Stuttgart hinein und A81 Richtung Singen, die rechte fängt den immensen zusätzlichen Verkehr Richtung Singen ab und führt ihn nur auf die A81.

So weit, so gut, doch nun die Frage: Was geschieht bei nur einer Ausfädelspur oder nur einem Bündel Ausfädelspuren für beide abzweigenden Richtungen, wenn in einer Richtung Stau ist? Genau: Rückstau, der alle Abbieger betrifft, ob ihre Strecke nun frei ist oder nicht. Genau das geschah heute morgen und wurde mir auf zweifelhafte Weise vom Frühstückstee versüßt, der mich nervös machte – im Klartext: Ich musste auf Toilette und fand den Stau deswegen noch ein Stück unwitziger als ohnehin schon. Man mag sagen: Pech gehabt. Leider bietet das Kleeblatt noch einen weiteren Nachteil, der heute Morgen zwar nicht zuschlug, den ich aber oft schon erlebt habe. Gibt es einen Stau in Hauptrichtung, so kommen da diverse „Schlaule“, wie man hier sagt, und wollen ein Stück Stau auf der Parallelfahrbahn umfahren. Natürlich ist es schwer, wieder flüssig in den Stau aufzufahren, wenn die Parallelfahrbahn zu Ende ist – und so Verstopfen diese „Schlaule“ denen, die einfach nur abfahren wollen, diese Möglichkeit.

Bei aller Freude über die Wendemöglichkeit und die adrette, optisch ansprechende Form des Kleeblatts – manchmal wünsche ich mir, dass am Stuttgarter Kreuz das Abfahren Richtung Singen und Richtung Stuttgart in getrennten Aufädelspuren realisiert ist.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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