Vom Schulterblick …

Geschehen: Heute morgen auf der A8, zwischen Leonberg und dem Stuttgarter Kreuz – dort führen vier Fahrstreifen nach Osten, den Berg hinauf Richtung Stuttgart, zwei davon kommen von der A81 aus Richtung Heilbronn, zwei weitere von der A8 Richtung Karlsruhe. Über diese Anordnung lässt sich viel wenig Schmeichelhaftes sagen, aber darauf will ich gerade gar nicht hinaus. Auf dem ganz linken Fahrstreifen fuhr ein Minivan, und der driftete langsam Richtung eine Spur nach rechts, während dort jemand neben ihm fuhr. Ich gestehe ein, als ich es gesehen habe, war ich erstmal zu perplex, zu „OH JE, BITTE NICHT – und erst recht nicht direkt vor mir!“, um mit Lichthupe zu versuchen, die beiden Fahrer aufmerksam zu machen. Es fehlten vielleicht 50, vielleicht 20 Zentimeter auf einen Zusammenstoß, da merkte der Fahrer ganz links offenbar was und zog so rasch wieder nach links, dass das Auto fast einen Seitwärtssatz zu machen schien.

Ich bin nicht so vermessen zu behaupten, dass mir sowas noch nie passiert ist – sowohl als die Person, die fast in ein anderes Fahrzeug hinein Spurwechseln wollte als auch als das „Opfer“ des Ganzen. Passiert ist zum Glück noch nie etwas – aber diese Praxis hat mich den Schulterblick gelehrt, vor allem an so fiesen Stellen wie dem „Dreieck Johannesgraben“, wo die A831/B14 (vom Stuttgarter Kreuz zum Schattenring und umgekehrt) mit der Straße von Möhringen her zusammengeführt wird. Situation hier: Man kommt vom Kreuz Richtung Schattenring aus dem Tunnel, fährt leicht den Berg hoch und aus recht ordentlichem Höhenunterschied heraus schleicht sich eine Einfädelspur von Möhringen her regelrecht an. Dumm nur, dass diese Einfädelspur zur rechten Spur wird und ich jeden Morgen in diese Spur nicht nur einfädeln, sondern sie auch queren muss, einige hundert Meter weiter geht rechts meine Ausfahrt zur Universität ab. Besonders gemein ist: Auf der Strecke kurz nach dem Tunnel steht ein stationärer Blitzer, hier sind Sechzig erlaubt. Und das fahren dann auch alle – im Berufsverkehr könnte man die Sechzig kaum überschreiten, selbst wenn man wollte. Auf der Einfädelspur sind auch Sechzig erlaubt, wenn ich es recht weiß – nur ist da kein stationärer Blitzer. Was bin ich teils schon erschrocken, wenn ich kurz nach rechts geschaut habe, niemand da, und dann wollte ich rüber – und durch den Höhenunterschied und das höhere Tempo war für mich sehr plötzlich ein anderes Fahrzeug im toten Winkel aufgetaucht, rechts neben mir … Der Schulterblick wird ja doch gelegentlich von Fahrschülern und auch anderen Fahrern ein bisschen als Fahrschulmarotte belächelt, habe ich den Eindruck, aber in solchen Situationen wird ganz besonders augenfällig, warum er sehr wichtig ist!

Moral von der Geschicht: Im toten Winkel siehst Du’s nicht … 

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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